The Man who killed Don Quixote

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Interview Olga Kurylenko, Stellan Skarsgård

Interview: Rene Mioch

Stellan Skarsgård: «Bei Terry Gilliam ist sehr Vieles einfach aus dem Moment heraus»

CANNES Stellan Skarsgård spielt in THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE an der Seite von Ex-Bond-Girl Olga Kurylenko. Wir trafen die beiden am Filmfestival von Cannes, wo sie über Terry Gilliams neuen Film, Arbeit und die richtige Mode resümieren.

Sie sind sozusagen Cannes-Veteranen. Geniessen Sie es wieder hier zu sein und all das zu erleben? Stellan Skarsgård: Naja, es ist mir nicht wirklich möglich, dass Festival zu geniessen. Denn wenn ich hier ankomme, dann führe ich drei Tage lang Gespräche mit Journalisten wie Ihnen. Verstehen Sie mich nicht falsch, es ist toll, aber ich kann so nicht von Cannes oder dem Festival erleben oder geniessen. Es ist ein wunderschönes Festival mit seiner Geschichte und der Herrlichkeit, die es hier gibt. All diese brillanten Menschen von überall her lassen die Luft ein bisschen vibrieren durch die Intensität, die herrscht. Zudem ist das Essen gut. Das sind alles Dinge, die mir daran gefallen. Dennoch wäre ich am liebsten zu Hause (schmunzelt).

Ist es auch ein Platz, um sich ein bisschen zu vernetzen? Stellan Skarsgård: Oh, das mache ich nicht. Es ist zu kompliziert, zu langweilig und zu kontraproduktiv (lacht).

Wie ist es mit Ihnen, mögen Sie Cannes? Olga Kurylenko: Ich liebe Cannes, es ist toll. Klar, es ist Arbeit, wie Stellan sagte. Gleichzeitig weiss ich, dass es nicht lange anhalten wird. In der Regel komme ich nur für einige Tage und dann versuche ich es einfach so gut es geht zu geniessen. Wenn dann das Wetter noch toll ist, fühlt es sich wie die Kirsche auf der Torte an. Was mir jedoch besonders gefällt ist, dass man Leute trifft, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Es ist wie eine Wiedervereinigung von Freunden aus der Industrie, die man mehrere Jahre nicht gesehen hat. Es hat dementsprechend viele bekannte Gesichter. Es ist eigentlich wie eine Familie, wie eine grosse und erweiterte Familie.

Als Frau ist es zudem eine Herausforderung diese Treppe hochzugehen. Bereitet man sich dafür schon Monate vorher darauf vor, was man dann tragen wird? Olga Kurylenko: Nein, nicht Monate, vielleicht ein paar Wochen… Stellan Skarsgård: Wenn wir schon beim Thema sind, was trägst du heute Abend? Oder besser gesagt, wen trägst du?
Olga Kurylenko: Dior (lacht).
Stellan Skarsgård: Das erste Mal als jemand fragt, wen tragen Sie heute Abend, war ich verwirrt (lacht). Ich verstand die Frage nicht. Bin ich von jemandem bedeckt, ist jemand hinter mir oder was ist es?
Olga Kurylenko: (lacht)

Ist Ihnen das ebenfalls wichtig oder eher gar nicht? Stellan Skarsgård: Wen ich trage? (schmunzelt) Ich trage lieber niemanden (lacht).

Wie sieht es bei Ihnen aus, ist es Ihnen wichtig wen Sie tragen? Olga Kurylenko: Es ist für die Anderen und für die Presse wichtig und interessant. Mir ist eher wichtig was ich trage und nicht wen. Es gibt so viele Marken, ich bin nicht auf eine einzige fokussiert. Das Kleid muss mir passen und meinem Geschmack entsprechen, dann gefällt es mir. Also egal wen ich trage, solange ich im Kleid gut aussehe, ist alles bestens.

Braucht es spezielle Vorbereitungen oder Recherchen, um in die Welt von Regisseur Terry Gilliam abzutauchen? Stellan Skarsgård: Nein, das ist das Gute. Es braucht keine zusätzlichen Vorbereitungen. Es ist ein extrem kreativer Drehprozess, denn fast alles ist möglich und Terry gibt einem viel Freiraum. Er lässt einem Ideen entwickeln. Grundsätzlich ist es ein Zusammentreffen absolut talentierter Schauspieler mit dem wundervollen Terry und Spass haben. Für mich war es also nicht wirklich eine Bürde.
Olga Kurylenko: Nein, für mich definitiv auch nicht.

Wenn man Terry trifft ist er ein sehr netter Mann und sehr ruhig. Wie wussten Sie, was Terry genau wollte vom Film? Olga Kurylenko: In erster Linie hat man natürlich das Skript. Aber irgendwie spürt man es auch einfach, in dem man mit ihm sprichst. Es macht einfach Sinn für uns, was er uns erzählt. Man spürt seine kreativen Ideen und die Hintergründe dazu. Er nimmt dich mit auf eine Reise, auf eine spezielle Reise mit Terry (schmunzelt). Es ist seine Welt, sein Universum und du schwimmst ein bisschen darin. Solange wie die Dreharbeiten halt dauern, Wochen oder Monate. Man geht mit dem Fluss.
Stellan Skarsgård: Gott sei Dank ist Schauspielern nicht eine sehr intellektuelle Arbeit. Es kann zwar viel Recherchearbeit geben, aber schlussendlich steht man vor der Kamera und spielt einfach aus dem Moment heraus. Bei Terry ist sehr vieles einfach aus dem Moment heraus. Es spielt keine Rolle, ob deine Ideen schlecht sind, die mag er genauso. Er hat schliesslich die Verantwortung und nimmt sich daher heraus, was er braucht.

Sie arbeiteten schon mit sehr viele verschiedenen Regisseuren. Beeinflusst Sie die unterschiedlichen Herangehensweisen dieser Regisseure auf eine bestimmte Weise? Stellan Skarsgård: Genau das mag ich so sehr. Das ist der Punkt daran. Jeder Film der gut ist, ist in der Regel auf irgendeine Weise persönlich für den Regisseur. Es muss der Film des Regisseurs sein. Als Schauspieler kann man nicht auf ein Set gehen und dann allen erklären wie es gemacht werden soll. Es gibt diese Schauspieler, aber meisten sind das dann nur Werbefilme oder dergleichen, die es betrifft. Jedoch wenn man eine Grossproduktion wie einen Kinofilm macht, dann muss es der Film des Regisseurs sein. Auch wenn es das Debüt des Regisseurs ist und er noch keine Ahnung hat. Es muss sein persönliches Werk sein. Als Schauspieler ist das Einzige, was du machst abliefern, abliefern und abliefern. Der Regisseur sucht sich dann sein Material zusammen.
Olga Kurylenko: Es ist lustig, dass du das sagst. Ich kenne Schauspieler, die machen genau das eben nicht, die mischen sich dann immer ein.
Stellan Skarsgård: Ja, so kann ein Film zerstört werden.

Erinnern Sie sich an ihren ersten Drehtag, wie war das für Sie? Olga Kurylenko: Ja, an meinen ersten Drehtag kann ich mich gut erinnern. Das war mit Stellan zusammen im Auto etwas ausserhalb von Madrid. Ich kannte Terry schon und deshalb war ich nicht wirklich unsicher. Wenn man Terry das erste Mal kennenlernt, hat man das Gefühl schon ewig zu kennen. Zumindest geht es mir so. Ich kann mich gut an unser erstes Treffen erinnern. Wir hatten eigentlich nur ein 30-minütiges Meeting geplant. Doch wir quatschen, vergassen die Zeit und plötzlich meinte Terry, er habe gleich noch eine Besprechung. Lustigerweise hatte ich auch eine und simultan sahen wir uns an und meinten: «Komm, sagen wir unsere Besprechungen ab.» Wir cancelten und unterhielten uns einfach weiter. Ich hatte das noch nie und ich meine, ich hatte ihn gerade erst getroffen. Also ist es gar nicht möglich, dass man durch ihn eingeschüchtert wird. Ausserdem arbeitetet ich auch mit Stellan. Ich liebe ihn, also war es einfach toll.

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