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Drama

Interview Anthony McCarten

Interview: Rene Mioch

Anthony McCarten: «Papst Franziskus war absolut nicht am Film interessiert»

Anthony McCarten, wenn man auf Ihre Filmografie der letzten Jahre schaut, könnte man meinen, Sie produzieren nur Gold. Fühlt es sich so an? Pssst (schmunzelt).

Wie ist es, wenn man so kontroverse Themen nimmt, diese fürs Kino umschreibt und daraus erfolgreiche Filme produziert? Ich bin immer auf der Suche nach Projekten, die das Epische und das Intime kombinieren. Diesbezüglich war ich in den letzten drei Jahren sehr gesegnet und glücklich. Natürlich passte es auch mit den Crews der Filme und den Schauspielern, die die Charaktere verkörperten. Ich werde einfach von diesen Momenten in unserer Zeit angezogen, die auf irgendeine Weise kritisch und bestimmend sind oder eine Veränderung kennzeichnen.

Der Film sieht so detailreich aus, obwohl er sehr komplex ist. Man denkt, es müsse sehr einfach gewesen sein, wie jedoch sind Sie in diese Welt eingetaucht? In erster Linie wurde ich als Katholik erzogen und deshalb habe ich vieles bereits in meinen Venen. Allerdings sind für mich die letzten 10 Jahre, die entscheidenden Jahre, wo diese kritischen Themen an die Oberfläche gekommen sind. Es brachte breitere Themen weltweit noch mehr ans Licht. Für mich ist es der Konflikt zwischen dem fortschrittlichen Ansatz und dem konservativen Ansatz und der immer währenden Debatte darüber. Welcher Ansatz wird uns weiterbringen, welcher schützt uns oder welcher sicher uns unsere Leben? Diese allgemeine Debatte scheint in der katholischen Kirche zwischen diesen zwei lebenden Päpsten sehr ausgeprägt zu sein. Dann haben wir den nächsten Aspekt. Das erste Mal in 700 Jahren ist ein Papst zurückgetreten. Dadurch wiederrum entstand die einzigartige Situation, dass es zwei Päpste gibt, die sich bei vielem nicht einigen können und doch vieles gemeinsam haben. Als Dramatiker und Bühnenautor ist es als wäre man im Himmel.

Konnten Sie mit Leuten aus dem inneren Kreis sprechen? Es beginnt immer mit der Recherche. Es gibt keinen Grund mit einer lebenden Person zu sprechen, wenn man vorher sich nicht erkundigt hat, wie diese Person ist, spricht und lebt. Die kleinen Dinge, die man nicht einfach erfinden kann, sondern sehr real sind. Am wichtigsten ist die Frage, welche Stellung sie bezüglich der Kernthemen haben. Wenn man genügend liest, dann kann man diese schnell herausfinden. Der kreative Teil von mir beinhaltete, dass ich diese zwei Themen in Diskussion miteinander stellte. Die klassische Kollisionsdiskussion, die stattfindet um Gemeinsamkeiten zu finden.

Man ist sich nie ganz sicher, ob man die beiden nur als Männer sehen kann oder ob es eben doch diese beiden Heiligen bleiben werden, die miteinander diskutieren? Ich hoffe, das Publikum kann Ähnlichkeiten mit anderen Personen in hohen Ämtern ziehen. Viele führen ähnliche Diskussionen ausserhalb des Katholismus. Beispielsweise Boris Johnson, Jeremy Corbyn, Joe Biden oder Donald Trump. Es sieht so aus, als wäre die Welt im Moment entzweit und sehr daran interessiert wieder Mauern zu errichten. Deshalb liebe ich Papst Franziskus sehr, er scheint hauptsächlich daran interessiert zu sein, Brücken zu bauen und Gemeinsamkeiten zu finden. Das wird irgendwann mal lebenswichtig für uns Menschen werden.

Was war die grösste Herausforderung für Sie? Die grösste Herausforderung mit jedem Projekt wie diesem ist, den Menschen, die man porträtiert, gerecht zu werden. Ich habe bereits Winston Churchill in Angriff genommen. Wörter für Winston Churchill zu schreiben ist sehr schwer, manche Leute würden sogar sagen es sein en bisschen anmassend. Die theologischen Gedanken eines Papstes zu schreiben ist ebenfalls sehr anmassend, jedoch muss es irgendwer machen (schmunzelt).

Bei Winston Churchill erhielten Sie Feedback von der Familie. Haben Sie diesen Film den Päpsten gezeigt oder sonst Rückmeldungen erhalten? Mich würde es freuen, wenn sie den Film zusammen auf der Couch sehen würden, ähnlich wie bei einem Fussballspiel. Meine Schätzung jedoch ist, dass Papst Benedikt nicht an Kino und diesem Film interessiert ist. Sollte Papst Franziskus den Film je aus Neugierde schauen, dann würden wir sicherlich nie davon vernehmen. Regisseur Fernando Meirelles hat es geschafft Papst Franziskus die Hand zu geben und hat ihm ganz kurz mitgeteilt, dass wir einen Film über ihn und Papst Benedikt machen. Er war überhaupt gar nicht daran interessiert.

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