Jersey Boys

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Drama

Interview Clint Eastwood

Interview: Mathilde Bernard

Clint Eastwood: «Verwandte müssen härter arbeiten»

Clint Eastwood hat selbst im hohen Alter von mittlerweile 84 Jahren nicht genug vom Filmemachen. Im kinowetter-Interview zu seiner Musicalverfilmung «Jersey Boys» verrät der legendäre Regisseur, was ihn jung hält und weshalb er nicht einmal daran denkt, in Rente zu gehen.

Woher nehmen Sie auch im fortgeschrittenen Alter so viel Energie her, die das Filmemachen erfordert? Ich entziehe sie anderen Personen. Die Jungs in unserem Film haben sehr viel Energie. Die meisten von ihnen haben davor schon im Theaterstück mitgespielt. Sie sind sehr talentierte und junge Schauspieler. Mein Job besteht darin, sie am Set bei Laune zu halten und es für sie zu einer angenehmen Erfahrung zu machen.

Die Jungs haben erzählt, dass sie wiederum von Ihrer Energie profitieren. Es ist ein Geben und Nehmen, nicht wahr? Ja, das ist es. Sie sind wahnsinnig toll und brachten sehr viel Energie und Enthusiasmus mit. Sie haben das Stück schon unzählige Male gespielt. Ich glaube, sie waren froh, die Filmversion machen zu können. Es ging vom Buch zum Theaterstück bis hin zum Film. Sie waren glücklich, die finalen Figuren darstellen zu können. Sie haben sehr hart an sich gearbeitet. Faulheit hätte ich mir gar nicht erst erlauben dürfen, auch wenn ich es wollte.

«Jersey Boys» spielt in den 50er- und 60er-Jahren. Was haben Sie damals gemacht?

1951 war ich für ein paar Jahre bei der Armee. Danach bin ich aufs College. Dort habe ich angefangen Schauspielstunden zu nehmen. 1953 habe ich es schliesslich irgendwie geschafft, bei Universal Pictures einen Vertrag zu bekommen. Ich wurde für eineinhalb Jahre als Vertragsspieler eingesetzt und habe 75 Dollar die Woche verdient. Damals hat sich der Betrag noch nach viel angehört. Man konnte die Miete bezahlen und sich vielleicht noch ein Bier gönnen. Aber es war in Ordnung. Ich habe viel gelernt.

Nach eineinhalb Jahren haben sie mich dann rausgeschmissen. Ich glaube, sie dachten, ich würde es zu nichts bringen. Dann bin ich rausgegangen und habe bis 1959 im Fernsehen gearbeitet. Dann habe ich eine Rolle in «Rawhide» bekommen. Die Serie lief sechs Jahre lang. Zwischenzeitlich bin ich nach Spanien und habe dort «For A First Full Of Dollars» gedreht. Das hat mich in eine andere Richtung gelenkt. Die Umstände führten mich also dahin, wo ich mich jetzt 60 Jahre später befinde.

Das waren bestimmt einige Ihrer wichtigsten Jahre. Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass ich noch hier bin und geniesse, was ich tue. Mir wurde schon vorgeschlagen, in Rente zu gehen, sowohl von Feinden als auch von Freunden. Aber ich kann nicht mit dem aufhören, was ich mache. Was soll ich sonst tun, Golf spielen? Ich spiele gerne Golf, aber ich will nicht spielen müssen. Ich möchte zum Spass spielen. Ich will nicht jeden Morgen um sechs Uhr aufstehen und mit einem Haufen alter Typen, wie ich selber es bin, spielen gehen.

Ihre Tochter spielt ebenfalls mit. Wie haben Sie miteinander harmoniert? Sie hatte nur eine kleine Rolle, aber sie hat es gut gemacht. Ich warte immer ab, was sie mitbringen und mache anschliessend Änderungsvorschläge, auf die sie dann hören. Verwandte müssen immer härter arbeiten, weil man mehr erwartet und nicht will, dass die eigenen Kinder ein schlechtes Beispiel für alle anderen sind.

Also gehen Sie mit Ihrem eigen Fleisch und Blut strenger um? Wenn sie es richtig machen, bin ich sehr stolz. Wenn sie es schlecht machen, bin ich wütend auf mich, weil ich ihnen erlaubt habe, mitzuspielen.

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