The Shameless

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Thriller

Interview: kinowetter

KONSTANTIN BOJANOV: «GESCHICHTEN ZU ERZÄHLEN KANN KULTURELLE GRENZEN ÜBERWINDEN»

Nachdem Schauspielerin Anasuya Sengupta (r.) in Cannes für ihr Können in THE SHAMELESS mit dem Best Performance-Award ausgezeichnet wurde, schafft es die Schweizer Co-Produktion nun endlich auch in unsere Kinos. Im Interview erzählt Regisseur Konstantin Bojanov, wie er auf die Idee kam, was er über seinen Cast denkt und welche Botschaft er vermitteln möchte.

Konstantin Bojanov, wie kamen Sie auf diese Geschichte über eine verbotene Romanze? Die Reise von THE SHAMELESS begann vor 12 Jahren als Dokumentarfilm mit vier unterschiedlichen Geschichten. Ich wollte Themen wie Liebe, Sexualität, freien Willen und künstlerischen Ausdruck im Kontext religiöser Überzeugungen im zeitgenössischen Indien erkunden. 2014 begann ich mit den Dreharbeiten zur ersten dieser Geschichten über Reshma, eine 32-jährige Sexarbeiterin der devadasi-Gemeinschaft. Ihre Verbindung zu Renuka inspirierte mich zu einer fiktiven Liebesgeschichte zwischen einer Frau, die vor dem Gesetz flieht, und einem jungen Mädchen, das im devadasi-System geboren wurde.

Und wie war die Atmosphäre am Set? Der hektische Dreh und andere Faktoren machten meine Arbeit am Set äusserst herausfordernd. Als Regisseur bewegt man sich auf glattem Eis, wenn man ständig Kompromisse eingehen muss. Oft dachte ich an die Qualen, die Coppola während APOCALYPSE NOW erlebte – natürlich in einem viel kleineren Rahmen. Wenn ich besser gelaunt war, erinnerte ich mich an die Independent-Comedy LIVING IN OBLIVION. Um einen kühlen Kopf zu bewahren, nahm ich die Dinge Tag für Tag, manchmal Stunde für Stunde.

Was können Sie über Ihre Schauspielerinnen erzählen? Das Casting für die Hauptrollen dauerte über acht Monate in Mumbai. Obwohl ich viele talentierte indische Schauspielerinnen für Renuka in Betracht zog, schaute ich immer wieder auf Anasuya Senguptas Fotos und dachte: «Sie passt perfekt.» Es war mehr als ihr Aussehen – ihre Haltung, ihre Präsenz. Ich wusste, dass sie eigentlich Produktionsdesignerin war, wagte aber trotzdem zu fragen. Erst nach über einem Monat schickte sie mir ihr Casting-Band – und ich wusste sofort, dass ich nicht weiter suchen musste. Omara wurde mir vom Casting-Direktor vorgeschlagen. Ein Foto von ihr mit einem Welpen brachte mich auf die Idee, dass sie Devika spielen könnte. Ihre Selbstaufnahmen und die Proben mit Anasuya bestätigten mein Bauchgefühl.

Was möchten Sie mit THE SHAMELESS vermitteln? Dass das Erzählen von Geschichten kulturelle Grenzen überwinden und unsere gemeinsame Menschlichkeit offenbaren kann.

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