Die reichste Frau der Welt

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Comedy

Interview: Bernard Achour

ISABELLE HUPPERT: «ICH WOLLTE DIE WAHRE GESCHICHTE VERGESSEN»

Als mächtige Chefin eines alternden Unternehmens brilliert Isabelle Huppert in Thierry Klifas Komödie LA FEMME LA PLUS RICHE DU MONDE mit einer Mischung aus Autorität und Schalk. Im Interview spricht die Schauspielikone über Wahrheit, Fiktion und Skandale.

Isabelle Huppert, der Film basiert auf der Affäre Bettencourt, bei der Marianne, die Chefin des L’Oréal-Konzerns, unter den Einfluss des Fotografen Pierre-Alain geriet. Wie sind Sie an die Rolle herangegangen? Ich wollte zuerst die wahre Geschichte vergessen. Das ist die Kraft der Fiktion. Der Hinweis «nach einer wahren Geschichte» ist ein Versprechen an das Publikum, für Schauspieler jedoch bedeutet er Freiheit. Man darf alles zulassen. Die Geschichte ist schockierend und skandalös, aber auch ehrlich und berührend. Es geht darum, eine emotionale Wahrheit sichtbar zu machen und eine neue Perspektive zu eröffnen.

Wie fanden Sie Zugang zu Ihrer Figur? Ein zentraler Zugang waren die Kostüme. Sie machten den äusseren Reichtum der Figur sichtbar und mussten ebenso glaubwürdig wirken wie die opulenten Kulissen und das prunkvolle Haus. Für all das wurde eine eigene Welt aufgebaut. Der Fotograf, gespielt von Laurent Lafitte, bringt eine Energie mit, die diese Ordnung sprengt. Man könnte sagen, das Theater tritt in ihr Leben ein – eine fröhliche, aufrührerische Übertreibung.

Wie sehen Sie die Beziehung zwischen Marianne und dem viel jüngeren Fotografen Pierre-Alain? Für Marianne liegt ihre Ehrlichkeit darin, eine Emotion zu entdecken, die ihr Leben plötzlich erhellt und sie aus der Monotonie reisst – trotz des Widerstands ihres Umfelds. Besonders die Tochter verkörpert diesen Widerstand: Sie wehrt sich gegen ein Glück, das frech in ihr Leben tritt.

Und die Einsamkeit Ihrer Figur? Man sollte kein Mitleid mit ihr haben. Vielleicht sehnt sie sich schlicht nach Ruhe. Die Beziehung hat sie in Bewegung versetzt – zwischen Begeisterung, Wahnsinn und einer gewissen Hingabe an die Ereignisse. Man verlässt sie gelassen, fast glücklich. Sie ist kein Opfer – ganz im Gegenteil.

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