Was hält die Schweiz eigentlich im Innersten zusammen, wenn es das eine, typische Schweizerische gar nicht gibt? Ist es das Jodeln, das traditionelle Schwingfest oder die Landsgemeinde? Der Dokumentarfilm ANDERS ANDERS - WAS UNS VERBINDET geht genau diesen Fragen nach.
Regisseurin Hao Hohl stellt in ihrem feinfühligen Werk eine ganz andere, tiefgründige These auf. Was, wenn das Schweizerischste an der Eidgenossenschaft vielmehr jenes leise Gefühl ist, doch nicht ganz dazuzugehören? Auf einer filmischen Reise ergründet das Werk die grossen Fragen nach Sprache, Identität und Heimat. Die Kamera begleitet Menschen, die sich täglich zwischen Dialekten, Kulturen und Erwartungen bewegen. Ob ein geflohener Schicksalsgefährte oder eine traditionsreiche Musikererbin: Sie alle eint eine feine Rastlosigkeit, die sich zwischen dem Fremden und dem Vertrauten bewegt. Hao Hohl verwebt diese Perspektiven zu einem berührenden Mosaik über das Menschsein, das komplexe gesellschaftliche Fragen aufwirft, ohne einfache Antworten zu geben.Ein literarisches Urgestein als Spiegel der Seele
Als absolute filmische Reflexionsfigur fungiert der bekannte Schweizer Schriftsteller Pedro Lenz, der dem Kinopublikum eine völlig neue, unerwartete Facette von sich offenbart. Geprägt von seinen spanischen Wurzeln mütterlicherseits und dem vertrauten Dialekt seiner Heimat Langenthal, erzählt er mit viel feinem Humor und Ironie von seiner Kindheit. Hinter der allseits bekannten öffentlichen Person des charmanten Wortkünstlers zeigt der Film eine bislang verborgene, zutiefst nachdenkliche Seite von Lenz. Er erkundet greifbar die ständige Spannung zwischen der eigenen Biografie und der Sehnsucht nach echter Zugehörigkeit. Nach ihrem Erstling PLÖTZLICH HEIMWEH liefert Regisseurin Hao Hohl mit diesem poetischen Werk das mit Abstand diskussionswürdigste Projekt ihrer bemerkenswerten Karriere.