Everest

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Drama

Interview: Raya AbiRached

Baltasar Kormákur: «Jeden Tag minus 30 Grad»

VENEDIG Das Drama «Everest» erzählt die wahre Geschichte einer fatalen Bergsteiger Expedition im Jahr 1996. Im Interview mit kinowetter redet Regisseur Baltasar Kormákur über extreme Drehbedingungen und emotionale Begegnungen.

Baltasar Kormákur, dieser Dreh war bestimmt kein einfacher... Es hätte kaum komplizierter kommen können! Wir drehten am Fusse des Everest und wagten uns so weit vor, wie es die Versicherungsgesellschaft nur zuliess. Als wir danach in den Dolomiten drehten, hatten wir während 6 Wochen täglich Temperaturen von minus 30 Grad. Hinzu kam noch der stärkste Schneefall seit hundert Jahren. Jeden Morgen standen Lawinenwarnungen auf unserem Produktionsplan.

Verstehen Sie jetzt, weshalb Menschen auf den Everest steigen wollen? Ja, auf jeden Fall. Der Berg ist die Metapher für Ambition schlechthin. Menschen machen alle möglichen extremen Sachen, wie Rennautos fahren oder fliegen. Ich kann solche Menschen besser verstehen, als jene, die sich in Kellern verstecken und dafür ein langes, aber kein erfülltes Leben haben. Die Qualität des Lebens kann nicht nur in Zeit gemessen werden.

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. Wie haben Sie sich an die Geschichte herangetastet? Wir hatten Glück und durften die Hinterbliebenen und Überlebenden, wie Jan Arnold und Guy Cotter, in Neuseeland besuchen. Zusammen hörten wir uns originale Aufnahmen an, die am Berg gemacht wurden. Die Erinnerungen waren so schmerzhaft, dass sie seit 18 Jahren nicht mehr reingehört hatten. Das gab uns einen grossen Realitätsbezug und half uns zu verstehen, was wirklich passiert war.

Wie findet man bei der Erzählung einer wahren Geschichte die Balance zwischen Fiktion und Dokumentation? Man muss sich entscheiden, worauf man den Fokus legen will und darf es nicht zu sehr aufbauschen. Weshalb eine wahre Geschichte erzählen, wenn man nachher bloss ein traditionelles Hollywood Skript daraus macht.

Sie haben viele grosse Stars engagieren können, aber eine Hauptrolle gibt es nicht... Es ist ein Ensemble-Film. Ich wollte nicht die Geschichte von einem Menschen alleine erzählen, sondern die Geschichte dessen, was auf dem Everest passiert ist. Es geht um viele verschiedene Menschen in unterschiedlichen Situationen. Ich wollte möglichst viele Perspektiven einbringen und dabei immer spannend bleiben.