VENEDIG «Black Mass» erzählt die wahre Geschichte vom berüchtigten US Gangster Whitey Bulger. In die Rolle des korrupten FBI Agenten John schlüpft der Australier Joel Edgerton. Weshalb der Schauspieler für Gangster schwärmt, erzählt er kinowetter im Interview.
Joel Edgerton, wie kam es, dass Whitey so lange über die Unterwelt herrschte? Whitey war ein Krimineller und sein Bruder Billy ein Politiker. Meine Figur, John, war ein alter Schulfreund von ihnen und ein hochrangiger FBI Agent. Diese Dreiecksbeziehung gab besonders Whitey die Freiheit, ein paar sehr schlimme Sachen zu machen, für die er nicht gerade stehen musste.
Überhaupt geht in «Black Mass» die Post ab. Sie scheinen sich nicht vor schwierigen Rollen zu scheuen... Manchmal überrascht es mich selbst, als wie schwierig oder einfach eine Rolle sich später entpuppt. Bei diesem Film hatte ich das Gefühl, vor einer grossen Herausforderung zu stehen. Ich war sehr nervös, den Bostoner Akzent nicht richtig hinzubekommen. Aber mit der Zeit fing ich an so richtig Spass zu haben und stellte die Sorgen in den Hintergrund.
Mögen Sie privat auch Gangster Filme? Filme, in welchen sich Menschen daneben benehmen und mit Waffen herumlaufen, sind immer faszinierend. Als junger Schauspieler haben mich solche Darbietungen in ihren Bann gezogen. Es war aufregend Typen wie Robert De Niro zuzuschauen, wie sie einander die Köpfe einschlagen. «Good Fellas» ist einer meiner Lieblingsfilme.
Weshalb glauben Sie, sind wir so fasziniert von dieser Gewalt? Es ist wie ein Fenster in eine andere Welt und das macht es aufregend.
Mit «The Gift» gaben sie 2015 Ihr Regiedebüt. Vermissen Sie den Regiestuhl bereits oder bleiben Sie der Schauspielerei treu? Als Regisseur habe ich viel Neues übers Filmemachen gelernt. Ich mag es, Dinge zu kreieren und würde sicher gerne wieder hinter der Kamera stehen. Es ist aber auch ein grosser Luxus, einfach ans Set zu kommen und nicht so viel Verantwortung zu haben. Im Endeffekt ist aber alles ein Teil vom Gleichen. Es geht ums Geschichtenerzählen und darum, welchen Teil dieses Privilegs du für dich beanspruchen willst.
Welche Schauspieler und Regisseure haben Sie inspiriert? Es gibt so viele tolle Schauspieler da draussen. Ich bin besonders fasziniert von jenen, die sich ständig verändern. Cate Blanchett, Tilda Swinton, Christian Bale oder der wunderbare Philip Seymour Hoffman. Bei den Regisseuren sind es Stephen Frears oder die Coen Brothers, weil sie sich von einem Genre ins nächste bewegen und sich in ihren Geschichten nicht festlegen lassen.