Deadpool

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Interview Ryan Reynolds

Interview: Raya AbiRached

Ryan Reynolds: «Die Studios dachten, ich sei vollkommen übergeschnappt»

LONDON In «Deadpool» erleben wir Ryan Reynolds für einmal ganz anders. Als Anti-Held lässt er nichts anbrennen und ist sich für keinen Spruch zu schade. Im Interview mit kinowetter erklärt der 39-jährige Mime, wieso dieser Film trotz Widerstand doch noch entstand und ob er Reynolds' persönlichen Erwartungen erfüllt.

Ryan Reynolds, hatten Sie bereits das Vergnügen, «Deadpool» mit einem Publikum zu sehen? Ja, wir haben den Film vor dem Start den unterschiedlichsten Zuschauern gezeigt, was sich grossartig anfühlte. Vor allem, weil ich mich dem Film seit 11 Jahren sehr verbunden fühle. Wenn ich ihn mit Leuten sehe, die ihn zum ersten Mal erleben, ist es jedes Mal ein vollkommenes und schönes Gefühl.

Komik, Action, Sarkasmus und mehr werden miteinander verrührt. War dieser anspruchsvolle Mix schwierig? Die grösste Herausforderung war, der ganzen Crew klar zu machen, was «Deadpool» sein sollte. Viele dachten, man müsste daraus einen grossen Actionfilm oder irgendeine Komödie machen. Allerdings ging es genau darum, viele Elemente zu verbinden, sei es die Liebesgeschichte, die Rachepläne, die Comedy oder die Action. Dem allem fügten wir zudem schwarzen Humor und Sarkasmus bei. Vieles verdanken wir aber auch den «Deadpool»-Fans, die eine gewisse Entscheidungskraft hatten. Die Studios dachten, ich sei vollkommen übergeschnappt. Denn die standen nicht von Anfang an dahinter.

Dem Film fehlt es nicht an Sprüchen. Wie viele davon stammen aus dem Skript und wie viel wurde improvisiert? Es fällt mir schwer, das zu beantworten. Improvisation und Schreiben liegen oft nahe beieinander. Beides setzt Fantasie voraus. Ausserdem muss man aus dem Moment heraus handeln können. Die Autoren des Films und ich kennen uns seit 6 Jahren. Wir haben das Drehbuch zusammen geschrieben und entwickelt. Beim Schreiben weisst du noch nicht, was dich am Drehtag erwartet. Es entstehen immerzu neue Witze oder Pointen und man erinnert sich an verworfene Gags. Letzten Endes kann niemand ahnen, was es in einen Film schafft und was nicht. Das Drehen war aber sehr lustig und interessant.

Comicverfilmungen gibt es inzwischen wie Sand am mehr. Spürt man da einen gewissen Leistungsdruck, wenn man innerhalb des Genres trotzdem noch etwas Einzigartiges kreieren will? «Deadpool» kommt genau zur richtigen Zeit, weil der Markt von Superheldenfilmen überrannt wird. Viele von ihnen nehmen sich und ihre Figuren sehr ernst. So was macht sie natürlich noch nicht schlecht, unseren Film dafür umso mehr zu etwas Besonderem. Er ist einfach ganz anders. Die Zuschauer können sich mit Deadpool identifizieren und würden die gleichen Dinge machen oder sagen, die er tut und laut ausspricht. Diese Interaktion mit dem Publikum ist sehr wichtig.

Es kommen einige «X-Men»-Anspielungen vor. In wie weit kann man Euer Werk mit der Erfolgsreihe vergleichen? Viele denken, dass «Deadpool» mit den «X-Men»-Filmen einen Zusammenhang oder dergleichen hat. Aber dem ist nicht so. Wir wollten das sogar ein klein wenig verhindern und mit «Deadpool» etwas anderes und ungewöhnliches erreichen.

Entspricht die Figur Deadpool Ihren Erinnerungen und persönlichen Erwartungen, wenn Sie an Ihre Kindheit zurückdenken? Ja, absolut! Das hängt damit zusammen, dass ich mithelfen durfte, die Figur zu entwickeln und den Film zu produzieren. Dadurch wurde Deadpool genau so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte.