LOS ANGELES. Auch nach 130 Jahre bewegt die Geschichte des jüdischen Fürsten Judah Ben-Hur von Romanautor Lew Wallace die Menschen. Die wohl bakannteste Verfilmung aus dem Jahre 1959 veränderte die Filmwelt, wurde mit 11 Oscars ausgezeichnet und kommt nun in einer neuen Fassung ins Kino. Wir trafen Schauspiellegende Morgan Freeman, der den Mentor Scheich IIderim verkörpert sowie Ben-Hur-Darsteller Jack Huston zum Interview. Die beiden sprechen über das Original, Spezialeffekte und ihren Glauben.
Jack Huston, ist für Sie die Geschichte von «Ben-Hur» heute auch noch so topaktuell, wie es für viele andere der Fall ist? Absolut! Als ich das Script zum ersten Mal gelesen habe, ist mir sofort klar geworden wie wichtig und zeitlos diese Geschichte ist. Der Roman ist vor fast 130 Jahren, basierend auf einer Zeit vor mehr als zweitausend Jahren, geschrieben worden und fühlt sich trotzdem noch unglaublich frisch und real an. Die Handlung spiegelt die heutige Zeit vollends wieder, die Wende in der die Welt sich gerade befindet, sei es politisch oder religiös. Es ist erschreckend, zu sehen, dass wir im Grunde nicht viel weiter gekommen sind, als vor all diesen Jahren. Die Botschaft des Filmes ist deshalb so bedeutend. Sie verdeutlicht uns, dass Hoffnung existiert und das verzeihen möglich ist. Ja, wir tragen Narben unserer Vergangenheit mit uns und doch können wir sie hinter uns lassen um weiterzugehen. Hass ist dabei sicherlich nicht der richtige Weg.
Wie sähe in Ihren Augen der richte Weg aus? Liebe! Sie ist immer der bessere Weg als Hass. Ich bin der Meinung, dass dies sehr wichtige und interessante Lektionen für uns Menschen und die Menschlichkeit selbst sind.
Damals war die Botschaft Rache und heute ist es Vergeben und Verzeihen. Sind wir weicher geworden oder haben wir uns weiterentwickelt? Ich vergöttere die 1959 Version. Charlton Hestons Darstellung von Ben-Hur und was der Film fürs Kino bedeutet hat, war absolut toll. Doch im Grunde ist es eine Geschichte über Rache, pure, echte Rache. Unser sollte das nicht sein. Unsere Darstellung von Ben Hur ist kein Remake im üblichen Sinne, denn wir sind den Film aus einer ganz anderen Sicht angegangen. Das war wirklich spannend.
Glaube ist ebenso eine wichtige Rolle im Film. Wie haben Sie sich an dieses Thema heran getastet und inwiefern betrifft es Sie persönlich? Wir sprachen viel über den Glauben, was äusserst aufregend war. Obwohl ich mich nicht zu einer bestimmten Religion bekenne, bin ich doch eine sehr spirituelle Person. Ich bin davon überzeugt, dass die Botschaften, die dahinter stehen, viel stärker in unser Leben einbezogen werden sollten. Ganz einfach gesagt die Vergebung und wie weit sie uns tragen kann. Es ist sicherlich schwer die Wut und den Schmerz in uns gehen zu lassen. Doch die Leichtigkeit, die uns empfängt, wenn wir diesen Schritt wagen, ist berauschend. Vielleicht ist dieses Vergessen und Verzeihen, ja auch die wahre Lösung zu allem.
Morgan Freeman, die bekannteste Verfilmung dieses Romanes kommt aus dem Jahre 1959. Waren Sie zu dieser Zeit eigentlich schon als Schauspieler tätig? Ich war immer ein Schauspieler. Es gab keine Zeit in meinem Leben, in der ich kein Schauspieler war. (lacht). Als der Film 1959 erschien, war ich hier in Los Angeles.
Damals dufte der Film Ben Hur von William Wyler einen riesen Erfolg feiern und wurde unter anderem mit elf Oscars ausgezeichnet. Haben Sie den Film selbst gesehen? Ja, ich hatte mir den Film damals angeschaut. Doch an wirklich viel konnte ich mich leider nicht mehr erinnern. Manche waren gar überrascht, mich in der Rolle des Scheiches Ilderim zusehen, nach dem die Figur 1959 von dem walisischen Schauspieler Hugh Griffith gespielt wurde. Griffiths Darstellung war um einiges humorvoller als die meine, doch das ist völlig in Ordnung. Wir hatten absolut verschiedene Scripts und erzählen eine andere Geschichte.
Im Gegensatz zu 1959 hat Ihre Figur stark an Wert und Wichtigkeit zugelegt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Ich vermute, dass diese Wichtigkeit eher ein Prozess während des ganzen Drehs war. Der Hauptgrund der Erweiterung des Charakters ist, dass er der Mentor von Judah sein sollte. Es ging darum Wege zu weisen, ihn zu führen und vorzubereiten. Und in diesem Bereich kannte ich mich bereits aus.
Keine Spezialeffekts und dennoch dieses Level an Actionszenen. Wie schwer war dies Umzusetzen? Heute gibt es unglaublich viele Arten zu filmen. Überall waren GoPros angebracht. Diese kleinen Kameras kannst du an jeglichen Stellen anbringen, sogar an den Köpfen von Pferden. Sie geben den Zuschauern das Gefühl direkt und Hautnah im Geschehen dabei zu sein. Und das ganz ohne Spezialeffekte.
Ihr Filmcharakter hat schicke Rastas. Wie fanden Sie es diese Frisur zu tragen? Ich war begeistert, als ich die Perücke sah! Ein Mann, an dessen Name ich mich leider nicht mehr erinnere, bat mich sie einmal anzuprobieren. Ich sah in den Spiegel und wusste; Das ist der Typ! Das ist Ben-Hurs Mentor, Scheich Ilderim.