T2 Trainspotting

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Drama

Interview Danny Boyle

Interview: Raya Abirached

Danny Boyle: «Mein Kinderzimmer sieht seit 40 Jahren gleich aus»

LONDON. 20 Jahre ist eine lange Zeit. Doch genauso lange ist es her, seitdem Regisseur Danny Boyle mit "Trainspotting – Neue Helden" Schauspieler wie Ewan McGregor und Jonny Lee Miller als unerschrockene Jugendliche auf die Kinozuschauer los gelassen hat. Zwei Jahrzehnte älter, aber kein Stück reifer kehrt die Bande wieder zurück auf die Leinwand. Danny Boyle spricht im Interview mit Kinowetter über Veränderungen, den menschlichen Zyklus und Druck, der sich mit den Jahren vermehrt.

Danny Boyle, was war für Sie der auschlaggebende Punkt die Geschichte nach 20 Jahren weiter zu erzählen? Nun, wir haben es schon vor zehn Jahren versucht, Zum 10-jährigen Jubiläum des Originals. Doch es hat nicht funktioniert. Zwar lag damals bereits eine grosse Zeitspanne dazwischen, aber wir hatten kein Drehbuch, dass gut genug war. Darin waren wir uns zum Glück alle einig. Es gibt einen qualitativen Massstab, denn wir schlicht und einfach nicht ignorieren konnten. Aber wer wusste schon, ob es uns möglich sein wird, zu einem anderen Meilenstein zurück zu kommen. Wir haben es zum 15 Geburtstag nicht wirklich versucht, aber nun zum 20igsten. Als John Hodge uns sein Drehbuch präsentierte, wussten wir sofort, dass es so weit war. Wir mussten es einfach tun.

Und Sie hatten gar keine Zweifel? Üblicherweise gibt es immer noch irgendwelche Probleme und umso mehr Gründe einen Film nicht zu drehen. Doch das Drehbuch radierte all unsere Zweifel sofort weg. Ich wusste, wenn wir die vier Jungs nochmals in den Cast holen können, würde es uns gelingen, einen Film zu erschaffen, der es Wert war neben dem Original zu bestehen.

Gab es einen besonderen Punkt denn Sie mit der Fortsetzung ansprechen wollten? Erst als ich bereits an der Bearbeitung sass, wurde mir bewusst, dass dieser Teil sich im Grunde auf dem Mann-sein beruht. Das Original drehte sich um ihre Jugend, um die Verantwortungslosigkeit die sie besassen. Ihnen war alles und jeder scheissegal, sogar sie selbst und ihr eigenes Benehmen. Aber mit dem Erwachsenwerden, wird alles viel komplizierter, Es ist nicht einfach die Energie aufrecht zu halten. Im Film versuchen sie ihre glorreiche Zeit wieder zu erleben. Was auf gewisse Weise sehr traurig ist mit anzusehen. Die Männer ziehen sich ihre alten Football-Trikots über und versuchen sich wieder wie Kinder zu verhalten. Was aber nicht funktioniert, da sie nun richtige Kinder um sich herum haben. Und Frauen, die alle sehr enttäuscht von ihrem Benehmen sind.

Vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Eine Reise, die auch die Schauspieler selbst miterlebt haben. Stimmt. Vermutlich war es auch deswegen für die Schauspieler toll, wieder ein Teil dieses Films sein zu dürfen. Die Erforschungen, die wir machen, sind im Grunde genommen unser eigenes Leben und die grossen Wendepunkte in unserem Dasein. Dieser Wandel ist der emotionale Reichtum des Films.

T2 ist die erste Fortsetzung, die sie je drehten. Gab es eine besondere Erfahrung? Für mich war es überraschend, dass wir das Original als Referenz benutzen konnten- und ich liebe es! Durch die grosse Zeitspanne gab es allerdings nicht viel, das wir uns herauspicken konnten. Ich musste eine sehr sorgfältige Auswahl treffen damit es uns gelingen konnte, eine saubere Verbindung zwischen diesen 20 Jahren herzustellen.

Immerhin waren die Charaktere bisher für die Zuschauer unverändert. Das ist das aussergewöhnliche an Filmen. Sie frieren die Schauspieler in der Zeit ein, was grausam sein kann. Denn wir als Zuschauer erinnern uns daran und wollen, dass Berühmtheiten wie Clint Eastwood immer so aussehen Aber das tun sie nicht. Denn in Wahrheit sind sie keine Filmstars, sie sind alle wie wir. Wir alle gehen durch diesen Wandel, den das sind nun mal die menschlichen Bedingungen. Es war wundervoll diesen Aspekt in den Film einbringen zu können.

Ein wichtiger Bestandteil des ersten Films war auch die Musik. Wie sieht es bei der Fortsetzung aus? Wir freuten uns sehr, dass die Musik des ersten Teils den Menschen so sehr gefiel. Doch gleichzeitig brachte es einen grossen Druck mit sich, in Hinsicht auf den Zweiten. Wird der Soundtrack mit dem Original mithalten können? Trotzdem haben nicht versucht, ihn zu kopieren. Wir haben lediglich probiert, Erinnerungen zu benutzen und sie neu zu lenken. Musik von Neuauflagen namhafter Bands wie Prodigy und Ricksmith aus Underworld, aber auch wunderbare neue Bands wie Young Father, tragen zur Nostalgie bei und damit auch zum Erfolg des ganzen Films.

Haben sich die Drehorte stark verändert? Wir zogen die Referenzen aus dem Original und hatte verschiedene Punkte, wie Rentons Schlafzimmer in seinem Elternhaus, die sich nichtverändern mussten während dieser Zeit. Wie diese Sachen es halt nicht tun. Mein Kinderzimmer zu Hause sieht seit 40 Jahren gleich aus. (lacht)

Und die Schauspieler? Die Schauspieler haben sich verändert. Durch ihre viele Arbeit, sind sie heute extrem, begabte Geschichtenerzähler. Sie sind in der Lage die Kernaussage rasch auf den Punkt zu bringen. Und möchten sofort wissen, um was es geht damit sie das Herz des Film rasch treffen. Alles andere wird ausseracht gelassen. Die schauspielerische Leistung in dieser Fortsetzung ist enorm, nicht zu vergleichen mit dem Original. Sie sind sehr präsent, was den Schauspielern viel Mut bedarf. Denn alle auf der anderen Seite sagen ihnen, sie sollen nicht viel machen und einfach ihre Zeilen aufsagen. Aber in diesem Film sind sie da und zeigen sich. Auf eine Art sicherlich Traurig zusehen, weil ihre besten Tage vermutlich bereits hinter ihnen liegen.

© kinowetter.ch

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