Shape of Water - Das Flüstern des Wassers

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Drama

Interview Guillermo del Toro

Interview: Raya Abirached

Guillermo Del Toro: «Meine Filme sind Protein fürs Auge»

VENICE Das berührende Fantasy-Drama SHAPE OF WATER wurde für 13 Oscars nominiert. Inszeniert wurde es von Guillermo Del Toro, bekannt für Filme wie HELLBOY oder CRIMSON PEAK. Uns verrät der Filmemacher, wieso ausgerechnet Stummfilme als Inspiration dienten und weswegen er kein klassisches Model in der weiblichen Hauptrolle wollte.

Guillermo, ich habe den Eindruck, mit SHAPE OF WATER bringen Sie all Ihre Liebe zum Film zum Ausdruck... ... ja, das ist so. Ich habe schon als Kind sehr viel gelesen, mir einige Filme angesehen und dabei die Kunst hinter jedem Werk studiert. Comics habe ich auch verschlungen. Mir ging es aber nie darum gute von schlechter Kunst zu unterscheiden. Ich habe einfach alles geliebt, was ich erforschen konnte. Ich bin deshalb so fett geworden, weil ich keine Grenzen kenne. Ich will eben alles essen (lacht). Bei Filmen fühle ich ähnlich. Für sie will ich mein herangewachsenes Wissen kombinieren, das ich über Märchen und Monster aus B-Filmen sammeln konnte.

Könnten Sie näher auf diese Herangehensweise eingehen? Ich picke beispielsweise das, was ich an Musicals oder Thrillern mag, und mache einfach ein Element daraus. Ich habe schon zwei HELLBOY-Filme gemacht, in denen es um einen Amphibienmann in einer Einrichtung ging. Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, ob es nicht interessant wäre, eine Geschichte über ein solches Wesen zu schreiben, die jedoch aus Sicht von Putzangestellten erzählt wird. Das war spannender als wieder irgendeinen Geheimagenten in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen. Ich fand, es wäre einfach schöner.

Der Film lebt unter anderem von seiner unverwechselbaren Atmosphäre und der Visualität. Wie wichtig ist Ihnen die Bildsprache? Inhalt und Aussehen sind nicht gleichzusetzen. Meine Filme sind nie Eye Candy's, eher Eye Protein's (lacht). Wenn man meinen Film genauer unter die Lupe nimmt, realisiert man, dass wir bei den Szenen mit Sally Hawkins oft mit Blau oder Grün gearbeitet haben. Wir haben quasi auf Unterwasserfarben gesetzt. Solche Sequenzen sehen dann zwar schön aus, unterstützen den Zuschauer aber auch dabei, die Handlung besser zu verstehen.

Erzählen Sie uns etwas über die Schauspieler im Film, beispielsweise Sally Hawkins. Ich habe das Drehbuch für sie geschrieben, genauso wie für Michael Shannon und Octavia Spencer. Als sich Sally Hawkins schliesslich dazu bereit erklärte, gemeinsam mit mir an diesem Projekt zu arbeiten, habe ich ihr gesagt, dass sie sich bitte die Filme von Stan Laurel, Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd ansehen soll. Das war wichtig, da ihre Rolle der aus einem Stummfilm gleicht. Sie musste mit ihren Augen schauspielern. Ich wusste, dass sie dazu in der Lage sein würde, diese Herausforderung zu meistern. Schon allein aus dem Grund, weil sie als Schauspielerin eine gewisse Reinheit ausstrahlt. Ich habe die Rolle für sie geschrieben, da sie eine echte Person sein kann.

Wie meinen Sie das? Das soll heissen, dass sie so aussieht wie jemand, dem man auf der Strasse begegnen würde. Gleichzeitig übermittelt sie aber auch Sonderbarkeit und Schönheit. Sehr häufig werden nur Frauen gecastet, die Models sind. Wieso nicht die Schönheit in einer Person finden, die so wertvoll ist wie Sally? Schliesslich passiert es auch im Film. Als Sally Hawkins' Figur Elisa auf das Monster trifft, erkennt auch sie die Schönheit in der Kreatur.

Wie sehr freut es Sie, dass der Film im Rahmen vom Film Festival in Venedig Premiere feierte? Fantasyfilme werden aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet als die restlichen Genres. Aber das geht schon in Ordnung so. Ich mache diese Filme immerhin schon seit 25 Jahren. Ich ziehe einfach mein Ding durch. Und wenn solche Filme an einem Film Festival vorgestellt werden, finde ich das natürlich grossartig. Wenn es keine Konkurrenz gibt, dann noch besser. Ob der Film gewinnt oder verliert, spielt auch keine Rolle. Beides ist grossartig (lacht). Ich kam schon 1997 für MIMIC nach Venedig. Ich habe mich sofort mit dem Film Festival verbunden gefühlt und kehrte sogar als Juror zurück. Als ich über THE SHAPE OF WATER und den Amphibienmann nachdachte, wusste ich sofort, dass wir in Venedig anfangen müssen (lacht).

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