The Wife

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Drama

Interview Glenn Close, Annie Starke

Interview: Carmine Carpenito

Glenn Close: «Ich bin ein sehr introvertierter Mensch»

ZÜRICH Ein Charakter gespielt von zwei Personen. Wir treffen Glenn Close und ihre Tochter Annie Starke, die in THE WIFE beide Joan Castleman verkörpern. Einmal als jung und einmal als alt. Für die Performance erhielt Glenn Close eine Oscar-Nominierung, es ihre siebte, ohne je gewonnen zu haben. Im Interview verrät Sie, was ihr dafür viel wichtiger ist, im Leben.

Immer wenn Joan und Joe etwas zu feiern haben, springen sie auf ihrem Bett. Wann sind Sie zuletzt auf einem Bett gesprungen, um etwas zu feiern? Glenn Close: Ich bin erst kürzlich auf meinem Bett in Toronto gesprungen (lacht).
Annie Starke: Also noch gar nicht so lange her (lacht).
Glenn Close: Ich hatte eine kleine Flasche Champagner und beim Öffnen bin ich damit auf und ab gesprungen (lacht).

Im Gegensatz zu Joan haben Sie eine lange und preisgekrönte Karriere. Denken Sie, Ihre Persönlichkeit hat sich seit Ihrem Beginn sehr geändert, ähnlich wie bei Joan? Glenn Close: Das ist eine sehr interessante Frage. Gerade weil ich denke, dass meine Persönlichkeit ganz anders ist gegenüber den Charakteren, die ich spiele. Ich sehe es eher so, dass die Charaktere mir eine Möglichkeit geben mich auf eine Art auszudrücken, die ich sonst in meinem eigenen Leben sehr selten machen würde. Ich finde das Leben viel herausfordernder und schwieriger, als meine Arbeit (lacht). Beide spielen sich in einer Weise gengenseitig zu. Ich habe genau genommen erst kürzlich akzeptiert, dass ich ein sehr introvertierter Mensch bin. Ich existiere mehrheitlich in meinem Kopf, bin sehr ungern in grossen Menschengruppen und mag es dafür umso mehr Zuhause zu sein mit meinem Hund, einem guten Buch und vielleicht ein paar guten Freunden. Das ist meine Realität. Jedoch meine Fantasien herauskommen zulassen und immer noch die gleiche Leidenschaft für meine Arbeit zu haben, ist ein Segen für mich in meinem Leben.

Joan hatte Mühe und Enttäuschungen mit ihren Fähigkeiten. Was ist für Sie die bisher grösste Enttäuschung, wenn es um die Filmindustrie geht? Annie Starke: Ich hoffe, mehr Frauen hinter der Kamera zu sehen. Es beginnt sich zu ändern, allerdings eher langsam. Das ist etwas, dass ich persönlich gerne öfters sehen würde. Frauen haben unglaubliche Perspektiven bezüglich unserer Welt. Diese Perspektiven kann man wunderschön durch die Kameralinse übertragen. Ich hoffe, dass dies vermehrt geschehen wird.

Wie sieht es bei Ihnen mit Enttäuschungen bezüglich der Filmindustrie aus? Glenn Close: Auf einer eher persönlichen Basis gibt es auch noch einiges für mich. Ich weiss, dass Annie auch durch diesen Prozess musste. Wenn man als Schauspielerin beginnt, erhält man sehr viel Ablehnung und das ist enttäuschend. In gewisser Weise ist es ein Test, denn es ist absolut kein einfacher Beruf. Ein Grossteil der Bevölkerung hat das Gefühl jeder kann schauspielern und kann danach mit einem schönen Kleid über den roten Teppich laufen. Jedoch machen wir aus meiner Sicht nicht das. Ich denke unsere Herausforderung ist es, Geschichten zu wählen, die das Publikum an ihre Menschlichkeit erinnert und sie auf eine emotionale Reise begleitet. Es ist schrecklich, etwas zu wollen und zu wissen, man kann es, erhält dann jedoch eine Absage. Es gibt einfach viele Enttäuschungen, die mit diesem Beruf kommen, jedoch darf man nie diesen verrückten Wunsch verlieren.

Es geht auch um die Anerkennung, die David von seinem Vater will. Haben Sie ebenfalls eine Person, von welcher Sie die Anerkennung möchten und wenn ja, wer wäre das? Glenn Close: Ich denke zu diesem Zeitpunkt, muss ich davon ausgehen, dass ich einen guten Job gemacht habe. Wenn ich mit einem Regisseur arbeite, dem ich vertraue, dann bedeutet es mir viel, wenn er sagt, wir haben es geschafft und es passt alles. Wenn ich persönlich denke, ich habe es gut gemacht und die Leute es dann nicht mögen, dann ist mir das eigentlich egal (lacht).

Sie würden also nicht wie Joe wütend werden, wenn Joan etwas bezüglich der Figuren sagt? Glenn Close: Nein. Ich würde vermutlich zurückgeben. Joe jedoch hat Zweifel an sich selbst. Wenn also jemand seinen Finger auf einen empfindlichen Nerv legt, dann überlegt er sich, ob er selbst die Fähigkeiten überhaupt besitzt. Sie sagt dann geradeheraus nein, du bist nicht, wer du denkst zu sein und auch nicht der Autor, der du sein möchtest. Das ist sicherlich sehr schmerzhaft.

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