PARIS Wir trafen Bader Ginsburg-Darstellerin Felicity Jones an der Europa-Premiere, wo sie über ihr grosses Vorbild, Inspiration und Gleichberechtigung in ihrer Ehe sprach.
Felicity Jones, wie war es für Sie die Ikone Ruth Bader Ginsburg zu porträtieren? Der ganze Film dreht sich ja eigentlich darum wie sie zur Ikone wurde. Sie beginnt mit viel Hoffnung und einer gewissen Portion Unschuld ihre Karriere. Sie ist eine junge intelligente Frau, jedoch akzeptierte die Welt sie nicht so wie sie war. Sie hatte einen konstanten Kampf und man schlug ihr immer wieder die Türen vor der Nase zu. Stetig wurde ihr erzählt, dass sie aufgrund verschiedener Gründe, die ausserhalb ihrer Macht lagen, nicht dort hingelangen würde, wo sie hinwollte. Also nutzte sie ihre Wut und diese Ungerechtigkeit, um für andere Menschen zu kämpfen.
Was ist die beste Lektion, die Sie aus der Zeit, die Sie mit Ruth Bader Ginsburg verbrachten, gelernt haben? Ich wusste, dass wir Ruths Segen hatten für den Film. Ich wusste auch, dass sie beim Skript involviert war und bei jeder Version ihre Meinung und Notizen dazu gab. Zudem hat sie das Cast befürwortet. All diese Dinge gaben mir eine gewisse Sicherheit für den Moment als ich sie zum ersten Mal traf. Sie ist jemand, den ich aus tiefstem Herzen respektiere und bewundere. Es gibt einfach nichts, dass dich wirklich darauf vorbereitet dein Idol zu treffen. Für mich war das Tolle, sie auf einem persönlichen Level kennen zu lernen und eine Tasse Kaffee zusammen zu trinken. Sich mit ihr zu unterhalten, ihr Appartement und ihr Umfeld zu sehen, halfen mir auch den Charakter gezielter und feiner zu porträtieren.
Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Rollen, wie diese aus? Ich bin fasziniert ab den Skripts als Gesamtes und den Geschichten, die man erzählen wird. Mich interessiert auch, ob die Geschichte relevant genug ist, um sie zu erzählen. Man überlegt sich, weshalb gehen die Leute den Film schauen und werden Sie ins Kino gehen? Warum schauen sie ihn nicht einfach zu Hause an. Das sind alles Dinge, die ich mir überlege, wenn ich ein Skript und eine Rolle annehme. Dazu kommt ebenfalls, ob ich den Personen gerecht werde, die ich spiele. Und natürlich, ob es Spass machen wird. Den Spass ist natürlich genauso wichtig (lacht).
Welche Frauen und Schauspielerinnen inspirieren Sie in Ihrem Leben? Während ich aufwuchs, habe ich zu Frauen wie Meryl Streep aufgeschaut. Für ihre Fähigkeit eine unglaubliche Technik an den Tag zu legen, aber auch für ihre Spontanität und ihre Menschlichkeit. Ich liebte immer Helena Bonham Carter für ihre Unabhängigkeit, dafür, dass sie Dinge auf ihren eigenen Weg macht und das Selbstvertrauen, genau das auch durchzuziehen. Samantha Morton kann auf unglaubliche Weise Verletzlichkeit darzustellen. Im Speziellen gefällt mir ihre Darstellung in MOVERN CALLAR. Diesen Film habe ich als Kind geliebt.
Wie wichtig finden Sie ist die Unterstützung eines Ehemannes für die Emanzipation der Frauen? Sehr wichtig. Die Kernaussage des Filmes ist im Grunde die Beantwortung der Frage wie Männer und Frauen zusammenarbeiten können. Aber auch wann Männer und Frauen nicht von geschlechterspezifischen Stereotypen eingeschränkt werden. Wie sie damit umgehen können und wie sie grosse Veränderungen in der Welt durchbringen können. Das ist das Schöne an diesem Skript. Es geht um dieses Ehepaar zu welchem wir aufschauen können. Sie haben sich gesagt, dass sie alles 50-50 machen können und dass dadurch ihre Ehe auch stärker wird. Ich habe das ebenfalls in meinem eigenen Leben. Ich habe das Glück, das mein Mann und ich komplette Gleichstellung in unserer Ehe haben.
Wie sehen Sie die Zukunft der Gleichstellung? Wichtig wäre, wenn gleiche Bezahlung ein Standard wird und nicht die Ausnahme ist. Es muss viel mehr Unterstützung geben für die Vaterschaft, dass ist etwas das sehr wichtig ist. Wenn es zum Standard wird, dass Männer genauso für die Erziehung zuständig sind wie Frauen, dann wird es ein wenig von der Last nehmen, die die Frauen tragen. So können Frauen besser in der Industrie wachsen und vermehrt grössere und machtvollere Positionen einnehmen. Es darf jedoch nicht ein Trend sein. Es müssen langjährige und dauerhafte Veränderungen sein. Das ist die Priorität.
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