Late Night - Die Show ihres Lebens

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Interview Emma Thompson, Mindy Kaling

Interview: Nasreen Eldawi

Emma Thompson: «Ich kann keine Menschen verletzten»

LONDON In LATE NIGHT begegnen sich Mindy Kaling als junge Molly und Emma Thompson als erfahrener TV Star Katherine. Wir trafen die beiden zum Interview, in dem sie über Gendergaps, Härte am Arbeitsplatz und Rollenangebote nach dem 40. Geburtstag sprechen.

Margaret Thatcher hat gesagt: „Wenn etwas gesagt werden muss, frag einen Mann, wenn etwas gemacht werden muss, frag eine Frau.“ Stimmen Sie dem zu? Emma Thompson: Ich bin nach wie vor überrascht, dass Margret das gesagt hat. Schliesslich stimmte es bei ihr nicht, denn ihr komplettes Kabinett war männlich. Daher bin ich mir nicht so sicher, ob sie es wirklich genauso meinte. Allerdings hat Marie Antoinette ihre Aussage: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.“ auch nicht wirklich so angedacht.
Mindy Kaling: Ich würde gerne mich mit diesem Zitat identifizieren können, allerdings ist es für mich schwer, da ich keinen wirklichen Bezug zu ihr und den Geschehnissen hier habe. Ich kam erst mit 19 Jahren nach England. Als ich jedoch damals hierher kam und Theaterstücke spielte, war ich überrascht, wie viele von denen auf ihren Aktionen und Taten basierten. Es entstanden extrem viele Theaterstücke aufgrund ihrer Taten. Aufgrund davon, ist es schwer etwas positives zu diesem Zitat zu sagen, da so viel geschehen war.

Wie würden Sie den Film beschreiben? Emma Thompson: Das Grossartige an diesem Film ist, dass er authentisch ist. Es geht um Frauen an ihren Arbeitsplätzen. Der Film ist lustig und intelligent, jedoch nicht oberflächlich. Es ist eine gute Geschichte, die weise geschrieben wurde. Klar, man kann viele Dinge aus dieser Geschichte entnehmen. Dies ist allerdings nur der Fall, weil es aus echten Erfahrungen entstanden ist. Es wurde nicht extra gemacht, um Botschaften zu erzählen, sondern um zu unterhalten und die Leute zum Lachen zu bringen. Vor allem dieses Lachen, das die Leute bekommen, wenn sie eine Situation erkennen und sich damit identifizieren können. Das ist vermutlich die Stärke des Filmes.

Emma, Sie haben kürzlich ihren 60. Geburtstag gefeiert... Emma Thompson: Naja, gefeiert ist ziemlich übertrieben ausgedrückt. Ich bin den ganzen Tag gesessen und habe ein Buch gelesen. Das war alles, was ich gemacht habe.

Emma, Sie sagten kürzlich, dass sie nun am herausfinden seien, wer Sie eigentlich sind. Haben Sie es schon geschafft oder haben Sie eine Traumvorstellung von sich? Emma Thompson: Ich würde sehr gerne die Fähigkeit haben, die Leute auszuschliessen und abzuweisen, wie es Katherine im Film macht. Allerdings könnte ich das nie machen, weil Katherine Leute verletzt. Ich hingegen kann das nicht. Wenn ich es doch einmal tun würde, dann muss ich es wieder richtigstellen. Das ist bei mir schon fast zwanghaft. Es wäre also eine schlechte Idee, das als Zukunftsschritt zu verwenden. Zugegebenermassen es relaxt extrem. Es ist sehr angenehm, wenn man jemandem sagen kann, er soll den Mund halten, dieser macht es und man ändert im Nachhinein nicht wieder seine Meinung. Es ist wie ein Vertrag. Der Austausch hat stattgefunden und der Vertrag wurde abgeschlossen. Es ist einfach so entspannend und für viele Männer läuft es vermutlich im Leben genauso ab. Sie müssen sich keine Sorgen um die Nachwirkungen machen. Frauen hingegen sind sich konstant am überlegen, ob und wie sie etwas sagen sollen. Deshalb ja, mir würde diese Eigenschaft gefallen.

Was ist das grösste Missverständnis oder die schlimmste Vorstellung, die die Zeitungen von Ihnen haben? Mindy Kaling: Oh wow, das ist eine gute Frage.
Emma Thompson: Wissen wir so etwas überhaupt?
Mindy Kaling: Ich kann es nicht wirklich sagen.

Oder allgemein gesehen, haben die Leute um Sie herum falsche Vorstellungen von Ihnen als Mensch oder Person? Emma Thompson: Wenn sie diese haben, dann würden sie es nicht sagen. Sie kommen nicht auf einem zu und sagen, welche Vorstellungen sie haben, auch wenn diese möglicherweise falsch sind. Wahrscheinlich ist eine der grösseren, dass wir jeden Tag so schön und herausgeputzt aussehen in guten Kleidern. Ausserdem dass wir immer fröhlich sind, um in einem guten Licht zu stehen.
Mindy Kaling: Bei mir ist der grösste Irrtum wohl, dass ich die Charaktere bin, die ich spiele. Es ist schwer für die Leute zu sehen, dass ich ebenfalls nur angestellt bin.

In LATE NIGHT verlieren Sie Ihren Job auch aufgrund Ihres Alters. In Hollywood sollen Frauen in ihren 40iger nach wie vor viele Rollen erhalten. Sehen Sie das auch so? Emma Thompson: Nicht aus meiner Erfahrung, nein. Die 40iger waren ein bisschen dürftig. Die 50iger und 60iger hingegen waren super. Es kommt ebenfalls darauf an, wie man ist und wie man sich selbst anderwärtig unterstützen kann, wenn es mal nicht so läuft. Deshalb würde ich allen Frauen sagen, dass sie sich auf diese knappen Zeiten gefasst machen sollen und sich etwas daneben suchen sollen. Denn als Schauspieler kann man auch andere Dinge tun. Oft können Schauspieler auch singen, tanzen, schreiben oder sonst etwas, schliesslich sind Schauspieler kreative Menschen. Inzwischen geht es allen Menschen so, nicht nur uns Schauspielern. Man muss heutzutage mehr als ein Job haben, einer bringt schlichtweg nicht genügend Geld ein. Die Welt verändert sich einfach so schnell.

Sehen Sie das Alter eher als Segen oder eher als Fluch an? Emma Thompson: Ich sehe es als unvermeidlich an. ... Es wäre ein grosser Fehler mehr daraus zu machen. Man sollte die gute Dinge nehmen und weitergehen. Und die eigene Macht annehmen und festhalten.

Sie sind beide politisch aktiv und geben Ihre Meinungen dazu auch ab. Wie stehen Sie zu Kritik bezüglich Ihren Ansichten? Mindy Kaling: Ich bin nicht mehr jung. Die schlechten Kritiken gehen mir nicht mehr gleich nah, wie als ich noch jünger war und den Leuten gefallen wollte. Wenn man beispielsweise George Clooney ansieht, der sehr offen spricht und das macht, weil er kann und es das richtige ist. Dann habe ich für Leute wie ihn grossen Respekt und Bewunderung. Die Leute, die mir wichtig sind, suchen nach Authentizität, also versuche ich es auch zu sein. Gerade bei Emma, die sehr offen über viele Themen spricht, denen ich zustimme, bewundere ich sie dafür sehr.

Wie ist es bei Ihnen? Emma Thompson: Man kann es sich nicht leisten, sich darüber zu sorgen. Man muss seine Wahrheit sagen und annehmen, was immer zurück kommt. Am Ende des Lebens bereut man nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Ich war mein ganzes Leben schon politisch aktiv, auch schon als ich noch nicht berühmt war. Wenn man dann als Berühmtheit offen spricht, dann muss man mit einer Schlammschlacht rechnen. Das ist einfach so und war es auch schon immer. Ich bin es einfach gewohnt.

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