The Personal History of David Copperfield

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Fangen wir mit Literatur an. Haben Sie ebenfalls eine Beziehung zur Literatur, so wie Sie es für Filme haben? Meine Beziehung zur Literatur…? Hat es viele Bilder drin, liebe ich es. Ich mache natürlich einen Witz (lacht). Ich war nicht ein grosser Leser, als ich aufgewachsen bin. Das kam erst später als ich älter war, das klingt gerade als wäre ich ein alter Mann. Ich genoss die Gesellschaft eines guten Buches. Sie lernten mich viel, über mich selbst, aber auch über die Herausforderungen der Diversität anderer Menschen. Diese Dinge haben mich inspiriert. Man muss einfach die ganze Zeit Scripts lesen.

Die Bücher von Charles Dickens und David Copperfield wurden sehr filmisch geschrieben. Haben Sie die Bücher gelesen? In Wahrheit habe ich die Bücher nie gelesen. Es waren einfach zu viele Seiten für mich. Ist natürlich nicht so (lacht). Das Skript war kompakt und etwa 200 Seiten lang. Das Buch selbst glaube ich, war sogar ganze 900 Seiten lang. Das Skript war richtig kompakt und hatte viel Inhalt. Ich begann das Buch zu lesen und sah noch andere Interpretationen von David. Dann ging ich zu einer unserer Proben und der Regisseur Armando Iannucci sagte zu mir: «Was machst du da? Was soll das? Hör bitte damit auf. Das wird keine übliche BBC-Adaption, sei einfach du selbst.» Es war ein Prozess diesen Charakter zu besitzen. Anfangs war ich eingeschüchtert ihn wirklich einzunehmen. Er ist ebenfalls ein sehr physischer Charakter. Es ist wie eine Achterbahnfahrt von physikalischen Momenten zu sehr verletzlichen Momenten.

Es gibt bereits so viele Adaptionen von David Copperfield und Ihr Film ist wieder etwas Neues. Woher haben Sie Ihre Inspiration genommen? Es ist komisch, wie ich Armando Iannucci schon sagte. Jedes Mal, wenn ich Dickens lese, denke ich an Indien. Ich komme gerade von einem Dreh von dort. Wenn ich also las, war es als wäre mir alles bekannt. Heute ist das Thema sehr relevant. Es geht um das eine Prozent der Menschheit, welches Geld hat und ihre Macht missbraucht, gegenüber der Mehrheit. Es ist eine Geschichte über Identität und Zugehörigkeit. Ich denke, dass die Menschen sehr viel im Film finden werden, womit sie sich identifizieren können.

Sie spielen mit Tilda Swinton, Hugh Laurie und vielen mehr. Wie war die Atmosphäre am Set für Sie? Es gibt so viele verschiedenen Energien am Set. Es ist ein starkes Ensemble und jeder Tag ist anders. Die Szenen mit Tilda und Hugh sind unglaublich, sie sind dieses tolle Duo. Tilda tritt Leute von Eseln herunter und Hugh kommt mit diesen unglaublichen Einzeilern (lacht). Peter Capaldi ist ebenfalls unglaublich. Sobald man ihn in einer Szene loslässt, hat er eine unglaubliche Energie. Das Schwierige ist, dass wir oft Szenen ruinieren, weil er so lustig ist. Ich hatte viele Szenen mit vielen Schauspielern. Auch das jüngere Cast ist unglaublich. Es sind alle einfach grossartig.

Bei so viel Vorlage Material und existierendem Wissen, gab es für Sie die Möglichkeit zwischendurch zu improvisieren? Wir hatten anfangs diese zwei Probewochen, wo wir unsere Dialoge testeten. Armando versuchte so viel Humor in den einzelnen Szenen einzubauen, wie er nur konnte. Man gelangt oft an diesen Punkt, wo man denkt, man hat es geschafft und die Szene sei unglaublich geworden. Am nächsten Tag erhält man dieselbe Szene noch einmal. Dieses Mal noch komplexer, mit einem neuen Charakter, einem neuen Problem oder einen Kuchen, den ich zwischendurch essen muss oder sonst irgendwas. Es ist ein bisschen, wie wenn ein junger Mann unter immensem Druck steht und einfach versucht seinen Kopf über Wasser zu halten. Wir haben viel investiert. Viel hatte auch mit dem Physikalischen zu tun. Man kam ans Set und versuchte herauszufinden, wie man beispielsweise mit dem Baum interagieren konnte, so dass es lustig wirkt. Es hat effektiv viel Humor drin.

Haben Sie ebenfalls wie David Copperfield reale Menschen genommen, um einen Charakter aufzubauen? Ja, irgendwie schon. In diesem Film versucht man ganz viel aus dem Cast zu ziehen, weil er viele Impressionen von ihnen macht. Während den Probewochen war ich wie ein Schwamm und habe alles aufgenommen, was ich von den anderen beobachten konnte. Und machte sogar schlechte Impressionen von ihnen (lacht).

War es für Sie so abwechslungsreich in den letzten Jahren wie es von aussen mit Ihren Filmen wirkt? Ja immer. Das ist ebenfalls der Grund, weshalb es so aufregend ist, momentan ein Schauspieler zu sein. Ich schaue all diese tollen Schauspieler vor mir an, wie Naveen Andrews, Jimi Mistry oder Irrfan Khan. Es ist grossartig, wie sie solch tolle Rollen aus solch dünner Auswahl zu grossartigen Karrieren umwandeln konnten. Ich fand es schwierig als ich anfing und finde es nach wie vor schwer. Für uns als Minderheit ist es schwer etwas zu finden. Es gibt nach wie vor zu wenig Geschichten, die erzählt werden könnten. Jetzt da es diese mutigen Regisseure und Stimmen wie Armando Iannucci die Türen öffnen, ist es für uns um ein Vielfaches interessanter.

Zum Schluss noch, wie fest freut es Sie, dass dieser Film an Ihrem heimatlichen Filmfestival eröffnet wird? Es ist sehr aufregend. Ich habe meine ganze Patel-Familie, die kommen wird. Sogar mein Grossvater, welcher ebenfalls sehr aufgeregt ist. Ich muss einfach alle von Tilda und Hugh fernhalten, so dass sie nicht ins totale Fangehabe fallen (lacht).

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