La bonne épouse

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Comedy

Interview Juliette Binoche

Interview: Carmine Carpenito

Juliette Binoche: «Ich lernte schon sehr früh, was es bedeutet erwachsen zu sein»

Juliette Binoche, der Film zeigt auf wunderschöne Weise, was frühere Generationen bezüglich Gleichberechtigung und Freiheit bereits erreicht haben, stimmen Sie zu? Ja, ich stimme Ihnen absolut zu. Das ist ein Grund, weshalb ich meiner Mutter dankte (lacht). Sie war in der Frauenbewegung in den frühen 70er Jahre, glaube ich. Sie war eine Feministin und sie brachte mich zu diesen Streiks damals. Als ich das Skript las, war es ein Spass für mich. Denn ich dachte, ah ja, das kenne ich. Ich war glücklich, dass ich diesen Charakter, der sich durch den Film verändert, zu spielen. So verstehen alle, woher die Geschichte kommt. Es sind mutige Frauen gewesen. Ich begann bei George Sand, die im 19. Jahrhundert lebte. Sie zog sich Herrenkleider an, um ins Theater zu gehen, weil es Frauen nicht erlaubt war Premieren schauen zu gehen. Als Kritikerin musste sie sich als Mann verkleiden, um etwas machen zu können. Das war unglaublich. Es gab definitiv ein paar sehr mutige Frauen, welche ihren Preis von Freiheit zahlen mussten. Wir haben heutzutage nun das Privileg dieser Freiheit, die wir geniessen können.

Als Sie 17 Jahre alt waren, wie wichtig war es Ihnen da Entscheidungen selbst zu treffen und niemanden für Sie entscheiden zu lassen? Schon sehr früh, mit etwa 15 Jahren, lebte ich bei meiner Schwester in Paris. Meine Mutter unterrichtete damals etwa zweieinhalb Stunden Autofahrt von Paris. Wir lebten also eigentlich allein. Es war schwer, doch ich lernte schon sehr früh, was es bedeutet erwachsen zu sein und meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Die Differenz zu hier ist, dass es eine Art Engelsstimme gibt. Diese Stimme im Inneren, die auf dich Acht gibt und der Einklang, den man damit hat. Man muss seine Intuition verwenden, um Entscheidungen treffen zu können. Gleichzeitig muss man jedoch auch seinen Verstand verwenden. Schlussendlich muss man seine Gewohnheiten brechen, um wirklich eine Veränderung im eigenen Leben bewirken zu können. Es ist eine Mischung aus Intuition und der eigenen Wahrheit. Klar, man kann auch mit anderen Menschen sprechen. Ich sprach oft mit meinen Agenten, die gute Freunde sind oder einfach allgemein mit Freunden.

Denken Sie, es wird irgendwann eine Zeit geben, in der Jugendliche überrascht sind, dass es in der Vergangenheit einmal einen Kampf zur Gleichberechtigung gab? Es braucht ein Leben, um mit dem anderen Geschlecht klarzukommen (lacht). Es gibt so vieles zu verstehen. So viele Ängste und Ego-Kram, den man überwinden muss. So wie verstehen, dass die Liebe stärker ist. Wichtiger noch ist, dass man sich engagiert und dass man etwas zurückgibt. Wenn man dies versteht, dann ist man geschützt und kann sehr einfach das andere Geschlecht zulassen. Zumindest ist dies meine Meinung. Es spielt natürlich ebenfalls eine Rolle, wie und wo man geboren ist, wie man gebildet wurde und wie informiert man ist. Gewisse Frauen fühlen sich sicherer, wie es ist, weil sie glauben, dass sie so sein müssen. Richtig frei zu sein, dauert einen Moment. Man muss verstehen, was Freiheit für einem selbst bedeutet und dass das Zurückgeben die wirkliche Freiheit ist. Dieses Verständnis und die Bewegung ist die effektive Befreiung. Sowie auf eine erfüllende und glückliche Art zurückgeben, dann ist man von seinen Ängsten befreit.

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