Unhinged - ausser Kontrolle

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In UNHINGED wird sie gnadenlos von Russell Crowe verfolgt. Im Video call erzählt die gebürtige Südafrikanerin von den äusserst harten Dreharbeiten, einem hohen Adrenalinspiegel und sinnloser Strassenwut.

Bei diesem Film muss man sich regelrecht festhalten, wenn man ihn sich ansieht. War es beim Drehen ebenfalls so? Ja, es war so. Manchmal war es wirklich schweres Material und manchmal wieder sehr leichtes. Es war intensiv, vor allem der physische Teil. Gleichzeitig war es allerdings eine unvergessliche Erfahrung.

Russell Crowe ist ein unglaublicher Schauspieler. Wie war er am Set, wechselte er zwischen seinem wahren Ich und der Rolle oder blieb er eine Zeit lang in der Rolle drin? Wir haben sehr wenig wirklich zusammengearbeitet. Die meisten Szenen mit ihm waren am Telefon. Ich würde sagen, dass er nicht in der Rolle blieb. Gott sei Dank (lacht). Niemand von uns blieb wirklich im Charakter. Mit Gabriel Bateman, der mein Sohn spielt, war ich stundenlang im Auto. Gegen den Schluss haben wir eigentlich nur noch sehr viel herumgeblödelt und herumgealbert. Es war wie ein Ventil. Glücklicherweise haben wir eine ähnliche Art zu spielen, das hat geholfen.

Ändert sich das Skript bei einem solchen Film, der sehr emotional ist oder verändern sich oft nur die Charaktere gegen das Ende? Die meiste Zeit blieb das Skript gleich. Ich weiss, dass es einige Anpassungen gab im Bezug auf den emotionalen Weg und den Entscheidungen des Charakters. Doch der Grossteil blieb so bestehen, wie wir ihn in der ersten Fassung erhalten haben. Es geht wirklich darum den emotionalen Anker zu finden, der einem durch dieses Stück hilft.

War es schwer die beiden Aspekte des physischen und emotionalen zu kombinieren oder mussten Sie sich dafür speziell konzentrieren? Es ist eine andere Art von Konzentration. Ich habe noch nie etwas so körperlich Beanspruchendes über eine solche lange Zeit gemacht und musste dabei gleichzeitig emotional eine enorme Spannweite haben. Am Ende habe ich fast zwei Wochen geschlafen, weil vermutlich mein Adrenalinspiegel dermassen abfiel (lacht). Es war wirklich viel.

Im Film wird oft von diesem Konzept von Strassenwut gesprochen. Gibt es das Ihrer Meinung nach oder ist es mehr ein Nervenzusammenbruch eines Charakters? Bevor ich dieses Projekt angenommen habe, war mir nicht wirklich klar, dass es das gibt und wie krass, dass es werden kann. Als ich in New Orleans für die zweite Audition mit Russell Crowe war, traf ich mich vorab noch mit Regisseur Derrick Borte. Er sagte mir, dass es dies wirklich gibt und dass es zwischenzeitlich richtig ausarten kann. Ich bin dann auf YouTube und habe nach einigen Videos gesucht. Diese waren richtig erschreckend und es war schwer zu glauben, dass dies wirklich geschieht. Gleichzeitig denke ich, dass unser Film diese Alltagssituation nimmt und sie zum absolut äussersten getrieben hat. Es spielt mit unserem absolut schlimmsten Alptraum von einer Strassenwut-Situation.

Was war für die das Schwierigste oder das Schönste bei diesem Film? Das Schwerste für mich war vermutlich die Hitze, definitiv die Hitze. In einem der Autos las ich 60 Grad auf der Temperaturanzeige und teils hatten die Autos keine Klimaanlagen. Es war richtig zermürbend. Man ist konstant am Schwitzen. Manchmal sah man gar nichts mehr, weil einem der Schweiss in die Augen lief (lacht). Zudem war man dehydriert. Und egal wie viel man trank, man konnte sein Wasserreservoir nicht auffüllen. So gesehen war der körperliche Teil das Schwerste am Film, aber gleichzeitig das Lohnendste. Es war cool meinen Körper an diese Grenzen zu pushen und zu sehen, dass ich es könnte und es eigentlich Spass macht. Das Schönste war die Zusammenarbeit mit Gabriel Bateman. Das genoss ich. Herauszufinden wie unsere Beziehung funktioniert und wie wir diese möglichst authentisch machen konnten, war wirklich eine Freude. Wir spielten Basketball zusammen, wenn wir Zeit hatten. Er ist ein sportlicher Kerl. Es hat echt Spass gemacht mit ihm abzuhängen.

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