The Rental

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Horror

Von: Carmine Carpenito

Wenn Schauspieler zu Regisseuren werden

Dass manche Schauspieler gerne mal in einem anderen Bereich schnuppern, ist bei weitem nichts Ungewöhnliches mehr. Sowohl Clint Eastwood als auch Angelina Jolie oder George Clooney haben während ihrer Zeit vor der Kamera ihre Leidenschaft für das Führen von Regie entdeckt. Zu diesem Kreis zählt ab sofort auch Dave Franco, der jüngere Bruder von Dave Franco. Sein Debut THE RENTAL stellt sich als raffinierter Horror-Schocker heraus, der die Welt der Klischees ordentlich auf den Kopf stellt.

Im Horror-Genre scheint es inzwischen eine unmögliche Mission zu sein, klassische Klischees zum umgehen. Aber was sind klassische Klischees überhaupt? Nun, da gibt es so einige. Wenn zum Beispiel das Auto in einer brenzligen Situation nicht anspringt oder ein Pärchen während dem Sex von einem Killer getötet wird, dann wird man als Zuschauer schon fast dazu gezwungen, die Augen zu verdrehen. Dave Franco, der gefühlt so gut wie jeden Horrorfilm suchtet, kennt das Problem und wollte diese schwierige Aufgabe genau deshalb angehen und natürlich auch meistern. Fans vom Genrekino werden überrascht sein, wie gut das Ignorieren von typischen Momenten hier doch tatsächlich funktioniert - und das ohne dabei merkwürdig zu wirken.

Charakterentwicklung statt hohem Bodycount

In vielen Horrorfilmen geht es nur darum, nervige Teenager auf möglichst brutale Art und Weise ins Jenseits zu befördern, die dadurch zum sogenannten Bodycount (hohe Todesanzahl) beitragen. Sehr oft wird das Publikum sogar dabei ertappt, wie es den Killer anfeuert. So was passiert, wenn den Figuren keine Tiefe verliehen wird, sie dumm agieren und einem kaum ans Herz wachsen, weil sie nur zum Sterben eingeführt wurden. Das liegt vor allem daran, dass dem modernen Zuschauer eine gewisse Form von Ungeduld vorgeworfen wird. Wenn es von jetzt auf gleich nicht sofort knallt, machen in einem Kinosaal schnell mal Worte wie "langweilig" oder "buh" die Runde.

Um das zu verhindern, muss eben am falschen Ort Zeit gespart werden. Dave Franco war das egal - er nahm sich die Zeit, um seine Charaktere vernünftig einzuführen. Dabei verzichtet er auf eine zentrale Hauptfigur und rückt die vier Mitglieder der beiden Pärchen gleichwertig in den Vordergrund. Sein Vorhaben geht vollends auf, da einem Michelle und Co. nach rund 45 Minuten tatsächlich sympathisch sind. Man lernt sie so gut kennen, dass man sogar das Gefühl entwickelt, sie seien sicher - bis dann die fiktive Realität umso schockierender zuschlägt.

Hundert Neins und ein Ja

Einen Film finanziert zu bekommen, ist nicht leicht - auch dann nicht, wenn man Dave Franco heisst. "Viele potenzielle Sponsoren waren begeistert von unserer Idee, aber letzten Endes wollten sie ja doch nur, dass wir einen gewöhnlichen Horrorfilm machen, wie wir sie bereits millionenfach gesehen haben", erklärte Franco in unserem Interview. Daher zog er von Sponsor zu Sponsor, bis er endlich jene Leute gefunden hat, welche die Leidenschaft für das Thema Film teilen und das Risiko eingehen wollten - mit Erfolg.

Fachkritiker und Fans sind gleichermassen fasziniert, insbesondere vom unheimlichen Killer, der hier eingeführt wird. Jeder einzelne Auftritt und jede noch so kleine Einstellung wurde hervorragend vorbereitet und positioniert. Dadurch werden einem alle Erscheinungen der Bedrohung im Gedächtnis bleiben. Von sattsehen wie bei einem FREITAG DER 13. oder HALLOWEEN kann hier keine Rede sein. Hier avanciert jede Szene mit dem Unbekannten zu einem Highlight.

Fazit

THE RENTAL ist ein ambitioniertes Projekt, welches das Talent von Dave Franco bestens zur Schau stellt. Und falls ihr euch schon gewundert habt; ja, Hauptdarstellerin Alison Brie, welche in die Rolle von Michelle schlüpft, ist im wahren Leben mit Dave Franco verheiratet. Die beiden haben während der Quarantäne sogar ein Drehbuch für eine RomCom verfasst und das in weniger als zwei Wochen! Auch da wird Franco Regie führen und seine grosse Liebe vor der Kamera platzieren. Ob es ihm gelingen wird, auch da Klischees zu ignorieren? Wir sagen 100 Mal Ja und keinmal Nein.