The Black Phone

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Interview Ethan Hawke

Interview: Carmine Carpenito

Ethan Hawke: «In den schwierigsten Zeiten habe ich am meisten dazugelernt»

In BEFORE SUNRISE gab er den charmanten Jesse, aber Ethan Hawke kann auch anders. Seine neuste Rolle als Kindermörder in THE BLACK PHONE geht unter die Haut. Im Interview spricht der Schauspieler über seine Jugend, was ihm persönlich Angst macht und intelligente Horrorfilme.

Ethan, Sie wuchsen in den 70er und 80er Jahren auf, wo viele Horrorgeschichten herumgingen. Nahm Ihnen dies bereits das unschuldige Gefühl Ihrer Kindheit weg? Ich wundere mich, ob die Welt jemals so unschuldig war, wie wir glauben, dass sie es ist. Wir erinnern uns oftmals an unsere Kindheit als diese idolisierte Zeit. Jede Generation erwacht irgendwann und stellt fest, wie schwere die Realität wirklich ist. Es hat sicherlich etwas, das zu dieser Zeit der Mythos von Amerika ein wenig eingebrochen ist. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Mythos je real war. Gewisse Mittelklasse-Gruppen von Menschen leben oder lebten jedoch diese idolisierte Realität. Dann geschieht etwas schlimmes und sie merken, dass dies nicht die echte Welt ist. Auf eine ähnliche Art wird dieses Thema in Coming-of-Age-Filmen erzählt.

Das Thema Coming-of-Age und solche Filme ist also etwas, das Sie gerne haben? Ich liebe Coming-of-Age-Filme und THE BLACK PHONE ist genau das einfach im Horror-Genre. Es gibt diese Liste von den Besten Coming-of-Age-Filme aller Zeiten, wie THE OUTSIDERS, THE 400 BLOWS und vielen anderen. Da gibt es immer diesen Moment, wo man erwacht und das Leben erstmals richtig sieht mit all seinen schlechten Facetten. Egal, ob es sich um Eltern, Schule, Liebe, Krieg oder was auch immer handelt. Unser Film ist wie eine Metapher dafür. Diese jungen Menschen haben niemanden, der sich um sie kümmert. Also müssen sie lernen auf sich selbst und die anderen zu achten.

Erinnern Sie sich an eine Geschichte, bei welcher Sie sich dem Gefühl von Angst erstmals bewusst waren oder es vielleicht erstmals zu definieren wussten? Ich stand als Kind mehrheitlich neben mir selbst. Ich schwöre (lacht). Ich war bei so vielen Dingen nicht verängstigt, als ich es eigentlich sein sollte und umgekehrt. Wir alle haben sicherlich Erfahrungen damit, dass Erwachsenen nicht immer nur das Beste für einem wollen. Manchen Menschen haben das Glück liebende Eltern zu haben. Irgendwann beginnt man zu denken, dass die Welt nur existiert, um einem zu helfen. Dann erhält man einen Aufweckruf durch Lehrer, Coachs oder wen auch immer, weil die einem nicht helfen wollen. Mein Gehirn neigt dazu, sich nicht auf diese Menschen zu konzentrieren, sondern sie zu vergessen. Ich verstehe jedoch, weshalb die Frage aufkommt. Mason durchlebt etwas Schreckliches in diesem Film, was ihn aufweckt. Ich selbst hatte das Glück, dass ich nie etwas in der Art erlebte. Wenn doch, dann habe ich es vergessen (schmunzelt).

Ihr Charakter hat es nicht geschafft ein erfolgreicher Hexer zu werden. Wie haben Sie vor Ihrem Durchbruch sichergestellt immer weiterzumachen und wieder aufzustehen? Das ist eine interessante Frage. Wenn man immer genau das bekommt, was man möchte, ist es sehr schwierig, als Mensch zu wachsen. Wenn ich zurückblicke, merke ich, dass ich während schwierigen Zeiten am meisten gelernt und mich am lebendigsten gefühlt habe. Die Lektion hier ist, dass das Leben durchaus interessant ist. Und das daraus folgende Resultat von den eigenen Taten. Erfolg und Niederlage sind dumme Wörter. Oftmals sind die Dinge nämlich gerade verdreht. Wenn die Welt denkt, man ist erfolgreich, hat man Misserfolge. Wenn die Welt denkt, man erlebt eine Niederlage, ist man in Wahrheit erfolgreich, weil man wächst und daraus lehrt. Das Leben ist viel mysteriöser als nur Gewinnen und Verlieren. Es ist viel interessanter als das.

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