Bohemian Rhapsody

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Interview Rami Malek, Gwilym Lee

Interview: Raya Abirached

Rami Malek: «Freddie ging seinen Weg, ohne sich dafür zu entschuldigen»

LONDON Rami Malek macht das schier unmögliche und schlüpft in BOHEMIAN RHAPSODY in die Rolle des charismatischen Freddie Mercury, währenddem Gwilym Lee den bekannten Queen-Gitaristen Brian May gibt. Mit uns sprachen die beiden darüber, wie hoch der Druck war solche Legenden zu spielen und was sie an ihren Charakteren am meisten beeindruckte.

Es muss viel Energie gekostet haben Freddie Mercury zu spielen, oder? Rami Malek: Es hat nicht nur mich, sondern allen Energie gekostet. Ich hätte es ohne die Anderen, die mich jeden Tag getragen haben, nicht machen können. Wenn ich die Performance von Gwilym anschaute, dann sah ich jemanden, der genau so hart arbeitete wie ich. Und mir zusätzlich immer noch die Kraft gab, meine Performance abzuliefern und das Tag ein, Tag aus. Familie und Zusammenhalt ist eine Botschaft des Films und genau so war es auch am Set. Es war wie eine Familie und der Zusammenhalt war da.

Das ist eine sehr schöne Botschaft und man spürt das auch. Wie sehr gefiel Ihnen diesen Aspekt des Filmes beim Spielen? Gwilym Lee: Das ist es, was Queen so einzigartig macht. Freddie sagt das auch im Film. Als er einen Solo-Versuch wagt, erhält er keine Anstösse von John oder keine Analysen von Brian. Es sind diese kleinen Dinge, die sie als Individuum einbringen und sich so ergänzen und als Band einmalig machen. Diese Herausforderungen von jedem einzelnen an die Anderen ist ihre Einzigartigkeit.

Bohemian Rhapsody ist eines der Lieder, das wohl in sehr vielen Jugendzimmern lief. Mit welchen Musikstücken sind Sie aufgewachsen? Rami Malek: Natürlich auch mit Bohemian Rhapsody. Als ich diesen Song zum ersten Mal hörte, war ich extrem bewegt davon. Es fühlte sich an wie, wenn man einen Film oder ein Kunststück anschaut, welches über eine längere Zeit dauert. Nur dieser Song ging sechs Minuten und nahm mir einfach den Atem, so unglaublich war er.

Gwilym Lee, wie ist es mit Ihnen. Welchen Song war es bei Ihnen? Eindeutig Bohemian Rhapsody. Als Junge hörte ich vor allem diesen Song. Er ist wie eine unglaubliche Reise. Er startet und danach begibt man sich auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Natürlich auch die Rock-Session mit dem Headbangen im Auto mit der Familie. Das waren viele tolle Auto-Reisen und die waren jedes Mal ein Highlight.

Wie war es Live-Aid nachzustellen? Rami Malek: Das war die erste Szene, die wir vom Film drehten. Es war ein bisschen haarsträubend im ersten Moment, aber schlussendlich bewirkte es, dass es uns als Band zusammenschweisste. Wir haben eine gewisse Anzahl an Fans gehabt, die uns ein wenig an Gefühl gaben, wie sie es erlebt haben. Ich wüsste jedoch nicht, ob ich 10'000 oder mehr Leute dort stehen haben wollte. Wir haben das Original rauf und runter geschaut und auch intensiv geprobt. Wir übten fast vier bis fünf Wochen lang und dann alles zum ersten Mal sehen, war unglaublich. Es war als würde man den Vorhang abnehmen und aus seinen Träumen wäre Wirklichkeit geworden.

Hat Brian May mit Ihnen darüber gesprochen, was Queen als Band gefühlt hat, als sie auf diese Bühne kamen? Gwilym Lee: Sie hatten eine Zeitlang nicht zusammengespielt und wussten daher nicht, was sie erwarten würde. Sie hatten keinen Soundcheck an diesem Tag, keine Band hatte das damals. Sie spielten auch nicht an ihrem Set, sondern das war alles Material der Veranstalter. Daher hatten sie also eine gewisse Menge an Angst davor. Gleichzeitig waren sie eine der wenigen Bands, die dafür geübt hatten und auch bereits schon in Stadien gespielt hatten. Die Band und vor allem Freddie wusste, wie er mit der Menge an Zuschauer umzugehen und sie einzubinden hatte.

Normalerweise tritt man als Schauspieler ein wenig in den Schatten des Charakters. Dieses Mal mussten Sie viel mehr mit dem Publikum agieren, wie war das für Sie? Rami Malek: Es ist in der Tat ein bisschen wie Theater. Wir beide habe Theater studiert und daher war es für uns nicht so schwer. Es ist ein Adrenalinrausch vor der Kamera zu stehen, als Rockstar auf einer Bühne zu stehen ist noch einmal ganz etwas anderes. Das lustige war jedoch, dass ich das Publikum auch zwischen den Takes unterhalten wollte. Deshalb habe ich zwischendurch den Freddie Mercury auch ausserhalb der Szenen gespielt. Manchmal erwischt es eine Kamera und zeichnete es auf und davon schaffte es sogar ein wenig in die finale Version des Films.

Wie schwer oder einfach war es für Sie jemanden zu spielen, der wie kein andere sich selbst war? Rami Malek: Freddie zu spielen war eigentlich sehr befreiend. Das ist auch eine weitere Botschaft des Films. Man soll sein authentischstes Ich sein. Freddie lebte sein Leben und ging seinen Weg, ohne sich dafür zu entschuldigen. Er wollte in keinster Weise kategorisiert oder definiert werden. Das ist es auch, was die Leute heutzutage in unserer Gesellschaft versuchen zu erreichen. Für mich ist es eine Botschaft, die noch für viele Generationen, die kommen, gelten wird.

Diese Botschaft wollten sicher auch Brian und der Rest, der Band mitteilen oder nicht? Gwilym Lee: Absolut. Ich denke, dass ist eine zentrale Aussage von ihnen als Band. Sie standen für Individualität und dass man sich nicht selbst hinterfragt, sondern voll dahintersteht und es geniesst.

Nun, da Sie Freddie Mercury selber waren, was gefällt Ihnen an ihm am besten? Rami Malek: Ich wiederhole mich ungern, aber es war wirklich einfach die Tatsache, wie frei er war. Was ich ebenfalls liebe ist die Geschichte des Immigrantenjungen, der mit gerade mal 18 Jahre von Sansibar und einer sehr orthodoxen Familie nach London auswandert. Ich kann mich damit identifizieren, da ich selbst ägyptische Eltern habe. Ausserdem glaubt er an sich selber und geht gegen den Strom und jegliche Strukturen, um seine Träume zu erreichen. Er öffnet diese Möglichkeit für alle, die da draussen sind. Er erhebt seine Faust und kämpft für alle Träumer und denen würden Gwilym und ich ebenso angehören.

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