Halloween

Jetzt im Heimkino

hot
Horror

Interview Jamie Lee Curtis

Interview: Raya Abirached

Jamie Lee Curtis: «Ich hasse es, erschreckt zu werden»

HAMBURG Darauf haben Fans gewartet: In HALLOWEEN schlüpft Scream Queen Jamie Lee Curtis nach einer 16-jährigen Franchise-Pause endlich wieder in ihre Paraderolle als Überlebenskünstlerin Laurie Strode. Im Interview erklärt die 59-jährige Schauspielerin, wieso Trauma das richtige Thema für diese Fortsetzung war und gibt ausserdem zu, selbst gar kein so grosser Fan von Genrefilmen zu sein.

Jamie, wie hätten Sie 1978 reagiert, wenn Ihnen damals jemand gesagt hätte, dass Sie 40 Jahre später eine direkte Fortsetzung zum Original drehen? Die meiste Zeit in meinem Leben war ich eine arbeitslose Schauspielerin. Ich habe zwar in zahlreichen Filmen mitgespielt, aber ich bin sehr oft unbeschäftigt. Wenn man so wie ich als freiberufliche Schauspielerin unterwegs ist, dann ist das einzige, das man tut, nach einem neuen Auftrag zu suchen. HALLOWEEN war damals eine unglaubliche Chance für mich. Aber hätte man mir damals schon gesagt, dass ich 40 Jahre danach noch einen Teil mache, dann wäre ich vermutlich überrascht gewesen, überhaupt noch in der Filmindustrie zu arbeiten.

Wie stark hängen Sie an Ihrer Rolle als Laurie Strode? Immerhin war sie Ihre erste. Sie war meine erste, aber mit Sicherheit auch eine der besten Figuren, die ich jemals spielen durfte. Deswegen bin ich ihr auch so zugetan. Ich bin John Carpenter und Debra Hill sehr dankbar dafür, dass Sie mir die Rolle damals gegeben haben. Klar hatte ich danach auch andere Möglichkeiten, aber HALLOWEEN war meine erste Liebe.

Erzählen Sie uns mehr über Laurie und inwiefern sie sich zwischen dem Original und dem neuen Film verändert hat. Vor der Gräueltat hatte Laurie ihr ganzes Leben noch vor sich. Sie war ein junges Mädchen mit unglaublichen Möglichkeiten. Sie war klug, an Philosophie interessiert, romantisch veranlagt und stand kurz davor, aufs College zu gehen. Aber all das wurde ihr an jenem Abend genommen, als sie mit purer Gewalt konfrontiert wurde. Sie hat seither eine schwere Last zu tragen und ist stark traumatisiert. Wir wollen mit dem neuen Film zeigen, wie das Leben einer Person aussehen kann, deren Trauma von niemandem ernsthaft wahrgenommen wird. Denn trotz ihrer mentalen Verfassung, war sie die ganze Zeit auf sich allein gestellt.

Der Film zeigt auch, wie ein solches Trauma kommende Generationen beeinflussen kann. War das ein Thema, das Sie besonders reizte? Definitiv! Das Trauma beeinträchtigt nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihrer ganzen Familie. Wir sprechen hier von einem sogenannten Generationentrauma. Dass so was existiert, wissen wir aufgrund von grauenvollen Taten, die sich während der Geschichte der Menschheit ereigneten. Wir wissen, dass auch nachgeborene Generationen von ihnen betroffen waren. Unser Film beleuchtet ein Trauma, das drei Generationen beeinflusst. Was mit deinen Grosseltern passiert ist, wirkt sich auf dich aus. Man kann nur hoffen, dass es sich von Generation zu Generation verringert. Aber letzten Endes geben wir es trotzdem immer weiter.

Wie war die Zusammenarbeit mit Produzent Malek Akkad und welche Erinnerungen haben Sie noch an seinen Vater Moustapha Akkad? Moustapha Akkad war ein grossartiger Mann! Er war Künstler, Regisseur, interessant und kreativ. Der eigentliche Horror an HALLOWEEN ist, dass er zusammen mit seiner Tochter Rima, Mutter von zwei Kindern, getötet wurde. Der emotionalste Tag auf dem Set vom neuen HALLOWEEN war mein erster, denn dann traf ich Malek, Moustapha's Sohn. Er war die erste Person, der ich dort begegnet bin. Ich habe sofort angefangen zu weinen und wir haben uns umarmt. Wir sind einfach nur da gestanden und haben uns an seinen Vater und die Filme erinnert, die er gemacht hat. Ohne ihn würde es HALLOWEEN nicht geben.

Abschliessend würde es uns interessieren, wieso so viele Kinogänger Horrorfilme mögen? Ich bin mir nicht sicher, ob ich die richtige Person bin, um diese Frage zu beantworten. Denn das würde bedeuten, ich sei Psychologin. Aber das bin ich ganz sicher nicht. Ich habe keine Ahnung, wieso Leute es mögen, erschreckt zu werden. ich weiss aber, dass es so ist. Ich selbst bin der Lieferant von unheimlicher Kost. Ich hasse es, erschreckt zu werden. Ich finde rein gar nichts witzig daran und trotzdem werden die Leute für unseren Film Schlange stehen. Ich kann daher nur sagen, dass ich nicht weiss, wieso, ich aber sehr dankbar dafür bin.

© 2018 kinowetter.ch

Aktuelle Streaming Angebote für diesen Titel:

Powered by JustWatch