Teen Spirit

Jetzt im Heimkino

warm
Drama
Ein liebevoll klischeehaftes Märchen

In seinem Regiedebüt packt Schauspieler Max Minghella alles hinein, was ihm lieb ist: Popmusik, Geschichten über verschiedene Kulturen und komplexe Beziehungen. Daraus ergibt sich ein liebevoll klischeehaftes Märchen über ein schüchternes Mädchen, das seinem traurigen Kleinstadtleben entkommen möchte. Den Weg hinaus findet Violet (Elle Fanning) durch die Castingshow „Teen Spirit“. Dabei wird aber natürlich weitaus mehr als ihr Gesangstalent unter Beweis gestellt. Um ihre Stimme zu finden, darf sie sich nämlich nicht selbst verlieren. Denn für geldgierige Topmanager scheint die Teenagerin ein gefundenes Fressen. Zum Glück steht ihr der ehemalige Opernsänger Vlad (Zlatko Burić) als Mentor zur Seite. Ganz auf sich alleine gestellt, ist die junge Polin also nicht.

„Dancing on My Own“

Dass sich Violet zu Beginn des Films einsam und verzweifelt fühlt, verraten uns zunächst die melancholischen Lieder, die sie sich immer wieder reinzieht. Passend zum musikalischen Thema (und passend zu Violets Namen) präsentiert sich der Film durch violette Neonlichter gezielt wie ein einziger, langer Videoclip. Dazwischen werden bewusst Zooms und Handkameras eingesetzt, um Fernsehinterviews zu inszenieren und somit das Genre des Reality-TV zur Schau zu stellen. Ein Blick hinter die Kulissen wird somit immer wieder angedeutet. Beispielsweise enthüllt sich das Casting als „Casting vor dem Casting“ und der Zuschauer erfährt, dass Teilnehmer gewisse Kleidungsstücke behalten dürfen. Kann man sich aber alles erdenken, wenn man mit dem Format einer solchen Sendung vertraut ist. Vom Wettbewerb an sich kriegt man hingegen eher weniger mit. Was aber in Ordnung ist, denn TEEN SPIRIT ist kein Dokumentarfilm, sondern ein Drama. Eins, das vor allem mit einem überzeugenden Soundtrack aus ikonischen Covern wie Ellie Goldings „Lights“ oder Robyns „Dancing on My Own“ begeistert. Wo die Dialoge eher knapp und spärlich eingesetzt werden, spricht die Musik für sich selbst.

„Sing from your heart“

Singen tut dabei Schauspielerin Elle Fanning, die mit ihrer Powerstimme problemlos mit der professionellen Konkurrenz mithält, und dabei überraschend aus dem Hocker haut. Dahinter steckt, ganz im Sinne des Films, eine Menge Übung und harte Arbeit. Das Ergebnis lässt sich auf jeden Fall zeigen. Oder viel eher hören. Obwohl die jüngste Fanning, wie ihre grosse Schwester Dakota, seit Kindesalter vor der Kamera steht, und die Schauspielerei nach wie vor liebt, beweist sie mit ihrer Rolle als Violet, dass eine wahre Performancekanone in ihr steckt. Im Film erkennt das einer gleich auf Anhieb: Vlad. Ihre komplizierte Beziehung mag zunächst etwas fragwürdig erscheinen, als jedoch klar wird, dass die beiden eine Art Ersatzfamilie ineinander suchen, kann man durchaus hinter der magischen Schauspielchemie zwischen Zlatko Burić und Elle Fanning stehen.

Der „Spirit“ in TEEN SPIRIT

Dass sich die beiden Charaktere gegenseitig brauchen, um den Wettbewerb zu gewinnen, darauf will der Film eigentlich hinaus. Violet verkörpert nicht umsonst das stereotypische Portrait einer bockigen Teenagerin. An dieser Stelle lautet die Message natürlich: „Bleib dir treu“, „Übung macht den Meister“ und „harte Arbeit zahlt sich aus“. Doch obwohl Violet und Vlad immer wieder darüber sprechen, vom tatsächlichen Training bekommt der Zuschauer herzlich wenig mit, wodurch die Botschaft leider etwas verloren geht. Umso bedeutsamer erscheint wiederum die Kraft der Musik, durch die Violet ihre traurige Realität hinter sich lassen und alles um sich herum vergessen kann.

Prognose

TEEN SPIRIT offenbart sich an erster Stelle als Hommage an die Musik. Wer Castingshows wie Eurovision und The Voice mag, liegt mit dieser musikalischen Coming-Of-Age Geschichte sicherlich nicht falsch. Dem Genre sei ein genereller Blick hinter die Kulissen zwar gewährt, im Mittelpunkt steht aber hauptsächlich Violets und Vlads ungewöhnliche Beziehung. Als weniger aussergewöhnlich äussert sich hingegen der etwas klischeehafte Plot. Dank atemberaubenden Performances von Elle Fanning wird man da aber sicherlich ein Auge zudrücken und gleichzeitig die Ohren spitzen können. [Ana von Halle]